Kirgistan - unterwegs auf der Weltreise 2018

Sary-Tash - Osh - Uzgen - Jalalabad - Arslanbob - Toktogul - Bishkek - Chaldovar
(01.06.-23.06.2018)

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01.06.2018: Nachdem wir den Bretterbudenzoll von Tajikistan verlassen haben, begeben wir uns auf die Piste zum 25 km weiter entfernten Zoll von Kirgistan. Dazwischen ist Niemandsland und so fühlt sich auch keiner für den Weg verantwortlich, deshalb ist die Piste extrem schlecht. Tiefe Matschrinnen, mit Wasser gefüllte Senken, Bäche mit ihrem Geröll die über die Strasse fliessen und Erdrutsche wechseln sich ab. Dabei haben wir Glück und es ist trocken. Bei Regen oder Schnee muss hier die Hölle sein. Die Route führt kontinuierlich bergab und es wird immer grüner.
Wir erreichen den Kirgistan Zoll. Die Abfertigung ist problemlos. Auf offiziellen Plakaten sind die Kosten der einzelnen Fahrzeuge ausgewiesen und es braucht keine Diskussionen. Wir haben keine Kirgistan Som und können zu einem schlechten Kurs mit Tajikistan Somoni bezahlen. So schlecht, dass der Beamte auf unser Wechselgeld von 8 Somoni verzichtet.

Wir sind überrascht, wie einfach und schnell der Grenzübergang verlief. In Berichten im Internet und auch in unserem Reiseführer (Trescher) wird der Übergang als kompliziert und langwierig beschrieben, da er auf der Drogenschmuggel-Route von Afghanistan nach Kirgistan liegt. Die Fahrzeuge wurden früher teilweise sogar auseinander genommen, wenn nicht genug Schmiergeld bezahlt wurde.
Wir fahren weiter bergab und die Temperatur wird milder. Überall plätschert und fliesst es. Die Sonne schmilzt den letzten Schnee aus den Bergfalten heraus. An den hier tiefer liegenden Hängen liegt noch mehr Schnee als wir es auf den höher gelegenen Pamir-Ebenen gesehen haben. Kleine Rinnsale, Bächlein und Flüsse suchen sich den Weg ins Tal. Durch das rote Gestein sind die Bäche zum Teil tief rot und sehen wie Blutgefässe aus, welche die Landschaft durchziehen.
Auf der linken Seite begleiten uns die bis ins Tal mit Schnee bedeckten 7000er Berge. Auf der rechten Seite gehen die schroffen Felsen in rundliche Hügel über. Die mit frischem grünem Gras bewachsenen Berge sehen aus, als ob sie mit Samt verkleidet wären. Balsam fürs Auge nach dem kargen Pamir. Kurz vor dem Ort Sary-Tash weitet sich das Tal und in der Ebene tauchen die ersten grossen Tierherden und Jurten auf.
Wir kommen nach Sary-Tash, das schon von weitem in der Nachmittagssonne leuchtet. Nach den eher kargen und abweisenden Orten im Pamir ist das hier ein richtiges Schmuckstück. Die Häuser sind gepflegt, die Strasse geteert und alles ist sauber und vor allem ist es überall grün. Es hat eine Tankstelle und kleine Shops. Wir kaufen das Nötigste, altes Brot (man wird genügsam), Bier und Cola. Wir können in Tajikistan Somoni bezahlen. Später erfahren wir, dass man auch in der Tankstelle Geld wechseln kann: chinesische Yen und Tajikistan Somoni.
Es ist schön hier, hier wollen wir bleiben und nach dem Ort einen Platz suchen. Leider steigt die Strasse gleich steil zum nächsten Pass an und wir kommen nicht mehr von der engen Gebirgsstrasse. Und falls sich doch eine Gelegenheit anbietet, so ist es hier noch sehr feucht und überall fliesst Wasser. Wir ärgern uns, dass wir nicht ein Stück zurück gefahren sind. Irgendwann weitet sich das Tal nach dem Pass wieder, es tauchen kleine Orte auf und wir finden ein schönes Plätzchen, abseits der Strasse, versteckt hinter Wacholderbäumen neben einem Bach.
 
02.06.2018: Wir beschliessen heute hier zu bleiben und wollen den schönen ungestörten Platz geniessen. Er ist ideal um die Winter-Wäsche zu waschen. Und wir holen seit langem erstmals wieder die Stühle ins Freie und relaxen bei Sonne und milden Frühlingstemperaturen.
 
03.06.2018: Heute wollen wir weiter nach Osh fahren. Bevor wir abfahren wollen wir noch die WC-Kassette leeren. Aber wie so oft tauchen ausgerechnet dann Leute auf, die wie Pilze aus dem Boden spriessen. Wir waren hier die ganze Zeit alleine und ungestört, bis jetzt ein neugieriger Hirte auf einem Pferd auftaucht und nicht mehr von unserer Seite weicht bis wir abfahren.
Unterwegs begegnen uns auf der Strasse immer wieder grosse Tierherden mit ihren Hirten, die in ihr Sommerlager in die Höhe ziehen. Auf einem Transporter liegt die Jurte zusammengepackt, die dann vor Ort für den Sommer aufgebaut wird. Es sind jeweils sehr grosse Herden. Manchmal Schafe, wenige Rinder und sonst nur riesige Pferdeherden. Ich habe zuvor noch nie so viele Pferde gesehen.
Auf dem Chyrchyk-Pass (2408 m) sind schon einige Jurten aufgestellt, andere bauen noch auf. Am Strassenrand gibt es schon die ersten Stände mit der hier beliebten Stutenmilch. Gekauft haben wir noch keine, aber wir werden sie sicher probieren.
Wir machen kurz vor der Stadt Osh Halt. Weit hinter und oberhalb eines Dorfes fahren wir auf einen Hügel. Der Platz soll laut anderen Reisenden (iOverlander) einsam und ruhig sein. Das können wir leider nicht bestätigen. Mehrere Autos fahren vorbei, das letzte um 21:30. Es hält bei uns an, die Insassen poltern laut an unsere Tür und fragen nach Zigaretten. Da wir keine haben, ziehen sie weiter.

Wir essen und kurz vor dem ins Bett gehen treibt es mich das erste Mal aufs WC. Jetzt hat es mich also doch mit so einer Magen-Darmgeschichte erwischt. Die halbe Nacht tigre ich zwischen Bett und Klo hin und her und kann erst gegen Morgen ein wenig schlafen.
 
04.06.2018: Am Morgen fahren wir noch das letzte Stück bis Osh. Erstaunlich ist, wie geordnet der Verkehr verläuft. An Ampeln wird schön gewartet und kaum einer überholt die Wartenden rechts oder links. Unterwegs kaufen wir erst mal das Nötigste ein und in der Stadt wechseln wir Geld und kaufen eine SIM-Karte, bzw. das Guthaben, denn die Karte kostet nichts. Um 14 Uhr sind wir auf einem bewachten Parkplatz beim Salomo-Hügel, wo wir uns nieder lassen. Mir ist noch nicht wohl, ich lege mich ins Bett und schlafe bis zum anderen Morgen. Tobias lädt den jetzt fertigen Reisebericht von Tajikistan ins Internet hoch.
 
05.06.2018: Wir wollen erst mal hier bleiben. Wir machen einen kleinen Spaziergang, aber es ist heiss, mir schlottern die Knie und wir kehren gleich wieder um. Im Liegen ist es mir doch am wohlsten. Deshalb geht Tobias alleine einkaufen.
Tobias macht noch einen kleinen Spaziergang ein Stück den Salomo-Hügel hinauf. Der Hügel ist das einzige UNESCO-Kulturerbe in Kirgistan, aber die Anlage sieht etwas herunter gekommen aus. Dafür hat man eine schöne Aussicht auf die grüne Stadt und die Schneeberge im Hintergrund. Zum ersten Mal seit dem Iran ruft hier abends wieder der Muezzin. Zum Abendessen gibt es Chicken Nuggets und Tomatenmakkaroni. Ich habe noch keinen Appetit, aber Tobias verschlingt heisshungrig die Nuggets alleine. Eine Weile später erwischt es dann auch Tobias. Er gibt in zwei Etappen sein Abendessen wieder her. Aber das war es dann für ihn.
 
06.06.2018: Tobias ruht sich heute aus und ich leiste ihm Gesellschaft. Sonst keine Aktivitäten. Nach Recherche im Internet und Infos aus anderen Reiseberichten erfahren wir, dass es durchaus möglich ist durch Thailand zu fahren. So beschliessen wir unsere Reiseroute zu ändern und nach der Mongolei durch China nach Südostasien abzubiegen. Wir schreiben ein paar chinesische Agenturen an um nach den Kosten für die Organisation und den Guide, den man ja haben muss, zu erfahren.
 
07.06.2018: Wir wollen unseren Stellplatz ins Zentrum verlegen, damit wir von dort aus die Stadt erkunden können. Wir tanken noch ein paar Liter Wasser beim Parking und fahren dann zum neu eröffneten Sunny Hostel. Schon unterwegs winken uns die Tandem-Fahrer Fleur und Aurélien vom Strassenrand zu und im Hostel steht ihr Tandem. Wir können im grossen Hof parken und dürfen im Auto schlafen, haben Dusche/WC Benützung, WiFi und Frühstück für 3 USD pro Person und Nacht. Später kommen die Franzosen zurück. Sie wollen am Samstag weiterziehen. Nehmen die gleiche Route wie wir, wir werden sie also sicher wieder sehen.
Den Tag verbringen wir ums Auto herum. Es ist drückend heiss und wir machen Ausflüge in den Supermarkt und später am Abend in einen Park. Auffallend ist, wie grün es in dieser Stadt ist. Überall hat es grosse Bäume und auch Parks die sozusagen im Wald liegen. Aber bei den hier herrschenden Sommertemperaturen bis 40 Grad ist dieser Schatten sicher sehr willkommen. Die Anlagen sehen leider minimal gepflegt aus, die Sitzbänke werden nicht repariert, sondern nur angemalt.
 
08.06.2018: Mit dem Taxi fahren wir zum Bazar, lassen uns durch die Gassen treiben und machen einen Obst-/Gemüse-/Salat-Grosseinkauf. In ein Restaurant getrauen wir uns noch nicht, kochen lieber vorerst noch selbst. Den ganzen Tag schon hat es graue Wolken am Himmel, doch erst am Abend bricht das Gewitter aus. Es regnet ein wenig und vor allem kühlt es angenehm ab.
 
09.06.2018: Wir gehen in den kleinen Supermarkt einkaufen und machen dann einen ausgedehnten Spaziergang in einen etwas entfernteren Park. Eigentlich wollten wir uns dort in den Schatten auf ein Bänklein setzen, aber leider hat es keine und wir kehren wieder um. Überall an den Strassenecken sitzen Frauen vor zwei Fässern und verkaufen Getränke: vergorene Stutenmilch salzig und süss. Wir probieren sie erstmals und finden sie sehr erfrischend und schmackhaft.

Seit mittags versuchen wir Wäsche in der Waschmaschine im Hostel zu waschen, doch leider ist die Maschine immer besetzt, weil die ganze Hostel-Wäsche darin gewaschen wird. Abends ist sie dann endlich frei und wir laden eine 35 Grad Wäsche die knappe 2 Stunden dauert. Weil es schon spät ist, hängen wir die Wäsche im Auto und Fahrerhaus zum Trocknen auf.
 
10.06.2018: Wir wollen heute ein Stück weiter fahren und kommen bis Uzgen. Dort besichtigen wir das Minarett und das Mausoleum. Die Anlage sieht eher trist aus und es gibt nicht viel anzusehen.
Der Bazar ist da schon lebendiger und interessanter. Es gibt einen speziellen Reismarkt, wo verschiedene Reissorten verkauft werden. Hier in der Umgebung wächst ein ganz spezieller roter Reis. Wahrscheinlich weil die Reisfelder mit dem roten Wasser gewässert werden, das hier aus den roten Felsen läuft.
Wir finden am Strassenrand einer Seitenstrasse einen ruhigen Platz.

Heute ist unser 30. Hochzeitstag und wir stossen abends auf diesen besonderen Tag an. Das Festessen verschieben wir auf später da sich unsere Mägen noch nicht ganz erholt haben.
 
11.06.2018: Geweckt werden wir vom Verkehr und immer wieder muuh und määäh. Als wir zum Fenster hinausschauen, sehen wir dass wir schon mit Autos zugeparkt sind so weit das Auge reicht. Auf der Strasse ist ein Chaos und viele kleine Transporter mit Pferden, Kühen und Schafen fahren Richtung Bazar. Heute ist Montag und es findet wohl ein Tiermarkt statt. Wir wollen aber raus aus dem Gewühl, müssen aber erst noch warten bis der Autofahrer gefunden ist der uns zugeparkt hat.
Die Hauptstrasse wird schlecht und schlechter und auch die Strasse nach Arslanbob im Walnusstal ist miserabel. In dieser Gegend gib oder besser gab es wilde Walnuss-Wälder. Durch Übernutzung und Abholzung existieren diese heute aber kaum mehr.
Dort angekommen, stellen wir uns auf einen Platz auf einer Wiese am Fluss. Der Platz ist eigentlich ganz schön, aber am Nachmittag werden wir lange von einer Schar Kindern belagert. Und am Abend kommt eine Bubenbande und schlägt sogar mit einem Stock gegen unser Auto.
 
12.06.2018: Am Morgen werden wir von einem Klopfen gegen die Tür aus dem Schlaf geholt. Draussen steht ein junger Mann, der um Hilfe fragt. Sein Lada Niva steckt im Fluss in den Fluten. Wir steigen in die Kleider und ziehen den Lada mit unserem Onkel Benz problemlos heraus.
Danach frühstücken wir erst mal und fahren dann in den Ort Arslanbob. Wir besichtigen das Örtlein und den Bazar. Leider braut sich ein Gewitter zusammen und es beginnt heftig zu Regnen. Wir flüchten in ein Restaurant und dürfen zwischen Schaschlik und Samsa wählen. Wir entscheiden uns für Schaschlik, das leider sehr fettig ist.
Das Gewitter beibt im Talkessel hängen und der Regen hört nicht auf. Wir fahren deshalb weiter. Im Haupttal beim Ort Chkalow ist das Wetter wieder besser und wir finden einen schönen Platz am Ufer des Flusses.
 
13.06.2018: Auch heute begleitet uns die sehr schlechte Strasse, die erst ab Kochkor-Ata wieder besser wird. Wir fahren am grünen Fluss Naryn entlang, der in Etappen immer wieder aufgestaut wird.
Wir bleiben an einem Platz am Naryn Stausee vor Karakul. Im See wird gerne gebadet und eine Gruppe junger Männer springt mit viel Gejohle ins kalte Nass. Die Temperaturen sind angenehm, es geht ein lauer Wind und wir sitzen bis in die Dunkelheit draussen.
 
14.06.2018: Nachts kühlt es bei Gewitter und Regen merklich ab und auch am Vormittag regnet es noch weiter. Im Ort Karakul gehen wir auf den Bazar. Nach dem heftigen Regen hat es riesige tiefe Pfützen und in den Supermarkt kommt man nur über ausgelegte Holzbretter. An einem Platz am Fluss halten wir fürs Mittagessen und einen Blick ins Internet.

Das Wetter wird besser und wir fahren noch ein Stück weiter bis zum nächsten Platz bei Sargata, mit wunderbarer Aussicht auf den Toktogul Stausee der umringt ist von schönen bunten und gefurchten Bergen.
 
15.06.2018: Weiter fahren wir nach Toktogul. Im Ort ist wieder Bazar angesagt. Gleich daneben ist ein Vergnügungspark mit Karussell, das von einem Propeller angetrieben wird.
Nach dem Mittagessen fahren wir zum See und suchen einen Platz. Da das Ufer sehr flach und nach dem Regen sumpfig ist, fahren wir zurück und bleiben etwas erhöht zwischen Hügeln mit schöner Aussicht stehen. Sicher haben wir hier etwas erhöht die schönere Sicht auf den See, als wenn wir direkt am Ufer wären. Regenschauer und Sonne wechseln sich am Nachmittag ab. Tobias untersucht unser Drucklufthorn, weil es seltsame schräge Töne von sich gibt. Eines der beiden Kunststoff-Hörner ist angebrochen und trötet kaum mehr.
In der Umgebung entdecken wir interessante Pflanzen und Tiere.
 
16.06.2018: Wir fahren weiter das Tal hinauf. Dieses Tal ist bekannt für seinen guten Honig und überall sind am Strassenrand Imker, die ihren Honig gleich neben ihren Bienenkästen verkaufen. Wir probieren und kaufen auch zwei verschiedene Honige.

Wieder einmal treffen wir Fleur und Aurélien unterwegs. Fleur ist krank und sitzt erschöpft am Strassenrand. Wir halten und bieten Hilfe an, aber leider können wir nichts für sie tun.
Nach dem Alabel Pass öffnet sich die Landschaft. Am Rand des wunderschönen grünen und breiten Tals sind Hügel zu sehen und in der Ferne steigen die hohen schneebedeckten Berge auf.

Es hat inzwischen schon sehr viele Nomaden hier, die ihre Jurten aufgebaut haben und ihre Stutenmilch-Produkte an kleinen Ständen verkaufen.
Wir finden einen tollen Stellplatz im weiten grünen Tal abseits der Strasse und umringt von Bergen.
 
17.06.2018: Weil uns der Platz hier so gut gefällt, bleiben wir noch und legen einen Ruhetag ein. Ab und zu kommen Viehherden, Pferde, Schafe und Rinder vorbei. Und immer wieder sind Reiter in der Ferne zu sehen. Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen können wir draussen sitzen, was uns leider einen Sonnenbrand beschert.
 
18.06.2018: Wir schlängeln uns den nächsten Pass (Tuz-Ashu) hinauf, leider wird die Strasse immer schlechter mit sehr üblen Strassenstücken.
Der Tunnel ist für Lastwagen nur jeweils in einer Richtung offen und wir müssen etwas warten, bis wir durchfahren können.

Auf der anderen Seite geht die Strasse steil hinunter in ein relativ enges Tal.
Eigentlich wollten wir vor Bishkek noch einmal übernachten, aber die schönen Plätze haben wir wieder einmal verpasst. Wir fahren und fahren auf holprigen Baustellenabschnitten und es nimmt kein Ende.

In Bishkek fahren wir zum Apple Hostel. Aber dort wird gerade renoviert und wir könnten auch nur auf der Strasse stehen, wofür wir natürlich nicht bezahlen wollen. Wir fahren nochmal eine Runde und suchen in den Nebenstrassen, finden aber nichts Passendes. Schlussendlich kehren wir zurück zum Apple Hostel und bleiben dort etwas entfernt in der Strasse stehen.

Es ist schon 19 Uhr und wir kaufen noch im gut bestückten Supermarkt an der Ecke ein. Vor dem Laden ist ein Grillstand, an dem wir uns ein grosses saftiges gegrilltes Poulet mitnehmen.
 
19.06.2018: Die Nacht ist ruhig. Am Vormittag laufen wir zum grossen Osh Bazar, der ganz in der Nähe ist. Der Bazar ist riesig und lockt mit jeder Menge frischem Obst und Gemüse. Wir kaufen unter anderem pflückfrische knackige Herzkirschen und duftende Aprikosen, von denen ich Konfitüre kochen will.
Wir gehen zurück zum Auto und fahren in die Stadt zum Traveler Hostel. Dort können wir im Hof parken und die Einrichtungen benutzen. Hier wollen wir die nächsten Tage bleiben, denn wir wollen noch unsere Austauschpässe mit dem Russland-Visum auf der Schweizer Botschaft abholen. Ich koche am Nachmittag noch die Konfitüre.
 
20.06.2018: Wir frühstücken und laufen dann zur Botschaft. Der grösste Teil des Weges führt durch die schönen schattigen Parks der Stadt. In der Botschaft angekommen werden wir direkt zum Konsul rein gebeten. Er sagt, dass er uns die Pässe nur aushändigt, wenn er unsere anderen Pässe einzieht, da wir nicht mit zwei Pässen unterwegs sein dürfen. Wir erklären, dass wir die jetzigen Pässe zum Ausreisen brauchen, da dort der Einreisestempel von Kirgistan drin ist. Auch nach einigen Diskussionen ist er nicht bereit uns die Pässe zu geben. Er will sich erkundigen und nach einer Lösung suchen. Da hören wir doch den Amtsschimmel ganz laut wiehern. Wir sind inzwischen durch viele Länder gereist und hatten bisher keine Probleme an Grenzen oder Amtsstellen, im Gegenteil immer sehr freundlich und entgegenkommend, bis auf die komplizierte Schweizer Behörde – man glaubt es kaum. Etwa eine Stunde später ruft er an und teilt uns mit, dass wir eine Sondergenehmigung erhalten. Wir können morgen die Pässe holen, müssen aber die jetzigen in Kasachstan in Astana auf der Schweizer Botschaft abgeben und zurück schicken lassen. Ausserdem müssen wir eine unterschriebene Erklärung mitbringen, dass wir gewillt sind die Pässe zurück zu geben. Nach Astana wollen wir eigentlich nicht, das ist für uns ein Umweg von fast 1000 km.

Als wir die Botschaft verlassen, fängt es noch an zu regnen. Als der Regen heftiger wird, gehen wir in ein Restaurant zum Mittagessen und anschliessend wieder durch die Parks zurück zum Auto. Wir schreiben die gewünschte Erklärung und drucken sie aus. Wir haben ja sonst nichts anderes zu tun...
 
21.06.2018: Wir machen uns gleich wieder auf den Weg zur Schweizer Botschaft. Und es wird noch komplizierter. Anstatt uns die Pässe auszuhändigen müssen wir erst Formulare ausfüllen, die uns als Ausland-Schweizer in Kirgistan registrieren. Völlig sinnlos, weil wir hier nicht leben, aber wir füllen es halt aus. Endlich taucht der Konsul mit unseren Pässen auf und ist nach kurzem hin und her damit einverstanden, dass wir die Pässe per Kurier (DHL) von Almati, das auf unserer Route liegt abschicken. Wir schlendern noch durch die Stadt und kommen bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei.
Wir gehen noch Mittagessen in einem Vergnügungspark mit kurligen Karussellen und Bähnlein. Danach gehen wir zurück zum Auto.
 
Seit einiger Zeit habe ich schon Beschwerden mit der rechten Schulter. Gestern und heute tut die Schulter besonders weh und ich bin verzweifelt am Überlegen, was ich machen soll. Verschlechtert sich die Situation, werde ich wohl in den kommenden Reiseländern keinen Arzt meines Vertrauens finden. In die Schweiz fliegen und das Auto hier stehen lassen ist auch keine Option, weil wir dann erst im Frühjahr nach dem hiesigen Winter weiterreisen könnten und das ist zu lange. Also entschliessen wir uns schweren Herzens die Weiterreise hier zu unterbrechen und in die Schweiz zurück zu fahren.

Von dort aus sind dann wieder viele Möglichkeiten offen, denn wir möchten sicher noch weiter reisen. Dafür freuen wir uns umso mehr, dass wir jetzt die Familie und Freunde früher als geplant wiedersehen.
Wir überlegen uns die Route zurück. Wir haben zwar inzwischen das schöne und teure 90-Tage Russland-Visum, aber dieses ist erst ab 1. August gültig und das dauert uns zu lange. Wir entscheiden uns deshalb für die Route durch Kasachstan und dann mit der Fähre über das Kaspisches Meer nach Aserbaidschan. Dann weiter durch Georgien und die Türkei. Wie es dann weiter geht haben wir noch nicht entschieden. Entweder durch Griechenland und der Küste entlang nach Slowenien oder durch das Landesinnere via Bulgarien und Serbien nach Slowenien. Wie werden noch sehen, wie es dort ist in der Ferien-Hauptsaison...
 
22.06.2018: Am Vormittag planen wir noch weiter und als alles soweit besprochen und entschieden ist, bringen wir die Pässe mit den soeben erhaltenen teuren Russland-Visa zu DHL und lassen sie gleich wieder in die Schweiz zurückschicken. Wie das Schicksal so spielt...
Wir bestellen gleich die Aserbaidschan E-Visa bei der staatlichen Website für 24 USD pro Person. Davor sind wir via Google-Suche auf einer kommerziellen Seite gelandet (evisa.co.az), die zwar offiziell aussieht, aber für das Visum pro Person 55 USD einkassieren will.

Und dann sagen bei den wenigen chinesischen Reiseagenturen ab, welche sich überhaupt auf unsere Anfrage zurück gemeldet haben. Bei denen besteht wohl wenig Interesse überhaupt Reisen zu verkaufen...
 
23.06.2018: Heute fahren wir schon in Richtung kasachische Grenze. Unterwegs kommen wir beim Autoteile Bazar vorbei und Tobias will nach einer neuen Hupe suchen, weil unsere ja abgebrochen ist. Ich bleibe im Auto sitzen und beobachte von da aus das interessante Treiben. Kaum ein Auto das vorbei fährt ist ganz. Entweder fehlt die Stossstange, die Motorhaube oder ein Licht. Bei einem Auto folgt die Hinterachse weit neben der Vorderachse, also so zu sagen "total neben der Spur".
Auf dem Bazar sieht es eher aus wie auf einem etwas geordneten Schrottplatz. Aber Tobias findet keine Hupe und wir fahren weiter bis etwa zehn Kilometer vor der Grenze, wo wir noch einmal abseits der Strasse übernachten.
 
24.06.2018: Zeitig fahren wir die letzten paar Kilometer bis zur Grenze. Die Ausreise aus Kirgistan ist ganz problemlos, in nur 20 Minuten sind wir durch den Zoll und ausgereist.
 
In einem separaten Kapitel haben wir unsere persönlichen Impressionen über Kirgistan zusammengefasst.

Unsere Reise geht weiter in Kasachstan.
 
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