Usbekistan - unterwegs auf der Weltreise 2018

Qarakol - Buchara - Samarkand - Qarshi - Shahrisabz - Samarkand - Urgut - Djartepa
(03.04.-30.04.2018)

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Obwohl auch über diesen Grenzübergang Horrorgeschichten kursieren, kommen wir zügig und problemlos durch. Eine gute Stunde für die Ausreise aus Turkmenistan und eben solange für die Einreise nach Usbekistan. Auf usbekischer Seite werden wir mehrmals gefragt, ob wir einen Fotoapparat im Auto haben. Wir denken, dass damit eine Dashcam gemeint ist. Aber nach ein paar Bewegungen und Geräuschen der Beamten wird uns klar, dass damit eine Drohne gemeint ist. Drohnen sind total verboten. Wir haben aber keine dabei. Eine Beamtin hat ihr Auge auf das Carnet geworfen und meint, wir müssen da noch einen Stempel drin haben, den wir natürlich selbst besorgen müssten. Ein anderer Beamter klärt sie aber auf, dass das Carnet in Usbekistan nicht gebraucht wird. Unterschiedliche Wissensstände haben die Beamten auch betreffend des Grenzposten, wo wir wieder ausreisen wollen (Djarteba). Dieser ist seit einigen Tagen wieder für Touristen geöffnet, was aber noch nicht alle wissen. Auch hier hatten wir wieder einen Beamten, der recht gut Englisch konnte und uns freundlich und hilfsbereit durch alle Hürden des Zolls geleitet hat.

Gleich nach dem Zoll schliessen wir noch eine Autoversicherung ab (70‘000 Som für 30 Tage). Geld wechseln müssen wir an der Grenze nicht, da wir auf turkmenischer Seite schon das restliche Geld in Som gewechselt hatten. Zudem wäre der Wechselkurs an der Grenze einiges schlechter gewesen als später auf der Bank in Buchara. Wegen neuen Gesetzen gibt es den früheren Schwarzmarkt-Geldwechsel heute nicht mehr.
 
Wir fahren noch die ca. 100 km nach Buchara. War die Landschaft in Turkmenistan doch eher karg und eintönig, so fallen hier gleich die vielen blühenden Obstbäume und frühlingsgrünen Felder auf. Unterwegs sehen wir immer wieder Propangas Tankstellen und finden das toll, denn unsere Gastankflasche ist schon bald leer. Wir fahren eine Tankstelle an, aber leider passt der Anschlussstutzen nicht auf unsere Adapter. Enttäuscht fahren wir weiter und wollen es später bei einer moderneren Tankstelle nochmal probieren. Die Strassen sind schlecht bis miserabel und durchsetzt mit tiefen Schlaglöchern.
Aber wir kommen vorwärts und irgendwie erreichen wir schliesslich das Rumi Hostel, wo wir für die nächsten paar Tage auf dem Parkplatz stehen können. Und in ein paar Minuten ist man zu Fuss mitten in der interessanten Stadt. Für 15 USD für 2 Personen gibt es Frühstück, WiFi, Dusche und die Registrierung, die wir in Usbekistan brauchen.
 
Ausgeschlafen wollen wir am Morgen zuerst die Betten neu beziehen und dann in die Stadt gehen. Als ich die Matratze anhebe ist darunter ein nasser Fleck, der von einem Leck im Heizungswasser-Ausgleichsbehälter kommt. Tobias ist dann die nächsten Stunden damit beschäftigt das Leck zu suchen und abzudichten. Die meiste Zeit wird verwendet um den Schrank um den Behälter zu demontieren. Den geplanten Stadtbummel verschieben wir auf morgen.

Unsere kleinen und grösseren Reparaturen haben wir übrigens in einem separaten Kapitel "Pleiten, Pech und Pannen" auf der Seite "unsere Reisefahrzeuge" aufgelistet.
 
Wir starten zu unserer Stadtbesichtigung und sind überrascht von der fast dörflich wirkenden, ruhigen Stadt. Die Fussgängerzone ist wirklich für die Fussgänger da. Man muss nicht zur Seite hechten, weil ein rasendes Motorrad mit einem Opa drauf kommt wie im Iran. Sogar die Velofahrer steigen ab im Bazar.
 
Wir gehen durch die Altstadt, die aus vielen schön restaurierten alten Gebäuden besteht, von denen eines beeindruckender als das andere ist. Die Sonne scheint bei blauem Himmel, aber es geht ein starker eisiger Wind. In der Sonne schwitzt man und im Wind friert man. Wir gehen einige Kilometer und kommen müde wieder im Auto an.
 
Am nächsten Tag sind wir beide erkältet mit starkem Husten. Tobias hat sogar Fieber. Es scheint keine Sonne und die Temperatur steigt nicht über 10 Grad. Wir schlafen fast den ganzen Tag und fühlen uns danach wieder besser.
 
Am nächsten Tag machen wir wieder einen grossen Rundgang durch die Stadt, was wohl keine so gute Idee ist, denn der kalte Wind hat uns wieder zugesetzt und wir liegen am nächsten Tag wieder flach, Tobias wieder mit höherem Fieber als vorher.
 
Ab jetzt wird einfach einen Gang herunter geschaltet und wir bleiben im Auto, ruhen uns aus und gehen nur kurz dick vermummt zum Mittagessen. Die Erkältung ist hartnäckig, immer wenn wir meinen, wir haben sie überwunden und uns zum Weiterfahren entschliessen, kommt wieder ein Rückschlag. Aber wir haben ja genug Zeit und so bleiben wir in Buchara.
 
 
Etwas ausserhalb des Zentrums hinter der Festung Ark liegt ein schöner Bazar. Da es hier fast nur alltägliche Gebrauchsgegenstände gibt, sind hier eigentlich nur die Einheimischen beim Einkaufen.
 
Bei den vielen kleinen Läden die es in der Stadt hat, sieht man gleich von aussen, ob dieser Laden Brot hat. Dann nämlich liegt oder hängt ein Brot am Eingang.
 
Ich bin immer wieder erstaunt über die hygienischen Verhältnisse und den Umgang mit Lebensmitteln. Das Brot liegt meist offen auf Verkaufsständen und jeder Interessent begrabscht das uneingepackte Brot und kauft dann doch keines. Auf dem Markt liegen die nackten, blassweissen Hühnchen an der Sonne und schwitzen in ihrem Plastiksack. Die von ihnen ehemals gelegten Eier liegen gleich daneben und werden an der Sonne ausgebrütet.

Auch im Hostel ist man nicht zimperlich mit den Lebensmitteln. Zum Frühstück gibt es jeweils Milchreisbrei gut gesalzen, dafür mit einem Klecks Marmelade in der Mitte (Porridge genannt), 2-3 Dreiecke aus etwas fettigem Blätterteig, gefüllt mit Spinat oder Kartoffeln, 1-2 kalte Riesenravioli gefüllt mit Frischkäse und reichlich mit Öl bestrichen und ein mit Buttercreme gefülltes Gebäck. Wem das nicht reicht, der darf noch Eier haben. Dazu Grün- oder Schwarztee.
Da diese Portionen kaum einer zwingt, wird der übrig gelassene Porridge auf einen Teller gekratzt und die Hausangestellte darf diesen jeweils um 9:30 mit Appetit verspeisen. Die übrig gebliebenen Blätterteigtaschen kommen selbstverständlich wieder in die grosse Schüssel zurück und werden am nächsten Morgen wieder verteilt. So kann es sein, dass man beim nächsten Frühstück wieder alte Bekannte auf dem Teller liegen hat.

Aber die Herzlichkeit der Hostel-Eigentümerin, die sich um alles kümmert, macht alles wieder wett. Toi, toi, toi! Bisher hat unser Magen alles problemlos überstanden und wir hoffen, dass das auch so bleibt.
 
 
An einem Nachmittag als es Tobias noch nicht so gut geht, habe ich alleine einen Bummel über einen Bazar gemacht, der etwas ausserhalb liegt. Leider entspricht er nicht so meinem Vorstellungen. Er ist relativ klein und bietet ausser Lebensmittel nur einige Stände mit chinesischem Plastikramsch.
 
 
 
Der kalte Wind lässt etwas nach und wir dehnen unsere Spaziergänge wieder etwas aus und flanieren durch die Gassen. Im Cafe Wishbone essen wir ein Stück Linzertorte und eine Rüeblitorte (ja richtige Rüeblitorte) und beobachten die Menschen auf der Gasse. Am Labi Hauz Pool trinken wir an der warmen Sonne noch eine Kanne Grüntee.
Während der Ruhezeit im Auto konnten wir auch unser eVisa für Tajikistan via Internet besorgen. Das Visum haben wir am Abend bestellt und am nächsten Morgen war es schon bestätigt. Wichtig ist es, auf der Internetseite nach eVisa zu suchen, da es auch eine zweite Internetseite gibt, wo man ein Visum bestellen kann, es jedoch dann bei einer Botschaft abholen muss.
Und die Fähre von Wladiwostok nach Korea am 17. Oktober haben wir schon mal gebucht, da diese auch ausgebucht sein kann. Später erhalten wir jedoch die Information, dass die Fähre maximal 90 Tage zum Voraus gebucht werden kann. Ist also noch nicht gebucht...
 
Heike und Charlie aus Deutschland sind noch im Hostel eingetroffen. Sie sind mit einem Landi und einem 30-jährigem Rapido Klappwohnwagen (2 Stunden Aufstellzeit) unterwegs. Wir quatschen noch eine Weile zusammen und kommen deshalb etwas später als geplant weg.

Der herzliche Abschied von der Chefin vom Hostel Rumi ist rührend. Wir werden umarmt, geküsst und sie winkt uns noch lange nach.

Endlich können wir auf dem Weg aus der Stadt Propan tanken und machen unsere Gastankflasche voll. Wir haben eine moderne Tankstelle mit Euro-Stutzen gefunden, denn nicht alle Tankstellen haben diesen Anschluss.
Der nächste Stopp ist bei einer Wasserquelle, wo wir einen fast leeren Wassertank füllen können. Die Quelle ist auch bei den Einheimischen bekannt und beliebt, viele halten hier an uns füllen entweder ihre PET-Flasche oder auch ganze Kanister und Tonnen. Deshalb müssen wir immer wieder unterbrechen und brauchen eine ganze Stunde bis wir den einen leeren Tank gefüllt haben.
 
Wir wollen heute bis nach Nurota fahren. Der Ort liegt am Fuss einer Gebirgskette, die am Rand der Kizilkum Wüste liegt. Anfangs sind rechts und links der Strasse riesige Baumwollplantagen, die mit Flusswasser über Kanäle bewässert werden. Da den Flüssen das Wasser abgezapft wird versiegen sie, bevor sie den berühmt berüchtigten Aralsee erreichen. Der Aralsee trocknet von Süden her aus und die Schiffe liegen in einem Schiffsfriedhof auf dem Trockenen. Somit haben viele Fischer dort schon ihre Lebensgrundlage verloren.

Die Strasse ist zwar etwas holprig, aber eigentlich nicht sehr schlecht. Aber trotzdem sind am Abend als wir an unserem Stellplatz ankommen beide Lautsprecher über dem Bett abgebrochen. Wir finden etwas vor Nurata bei Debaland einen schönen, ruhigen Platz in den Hügeln.
 
Heute war zum ersten Mal unsere neue Dashcam im Einsatz. Mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden, die Aufzeichnungen sind sehr schön und deutlich. Das meiste Video-Material werden wir sicher ungesehen löschen. Wir haben nicht vor, unsere Reise später noch einmal in voller Länge mit zu machen...
 
Am Vormittag fahren wir weiter in den Ort Nurota. Hierher pilgern viele zur heiligen Chasmaquelle, in der heilige Fische schwimmen und die von Moscheen und Museen umgeben ist.
Die Einheimischen füllen sich das Wasser aus den Kanälen in grosse Kanister ab. Es ist wohl sehr gesund oder der Glaube daran versetzt Berge.
Gleich oberhalb sind die Ruinen einer Festung. Wir trödeln durch die Anlage und schauen dem interessanten Treiben zu. Überall hat es Souvenir-Stände auf welchen alles verkauft wird was speziell einheimische Touristen so kaufen...
 
Wir fahren weiter und halten nach einem Stellplatz Ausschau. Etwas abseits der Strasse stellen wir uns zwischen die Hügel. Da weiter hinten noch kleine Dörfer sind, bekommen wir bald Besuch von neugierigen Dorfbewohnern. Ein Dreiergespann mit uraltem, klapprigem Lada hält auch an und redet auf uns ein. Dass man auch hier dem Alkohol nicht abgeneigt ist, riecht man meilenweit an der stinkenden Fahne. Die Einladung zum Essen bei ihnen zu Hause schlagen wir dann auch freundlich aus.
Ab dann ist Ruhe, bis am nächsten Morgen zwei Polizisten ratlos um unser Auto kreisen. Da wir uns gegenseitig nicht verstehen, sind sie mit einem Blick in unsere Pässe zufrieden und verschwinden grusslos wieder.
 
Wir starten unsere Etappe nach Samarkand. Es geht weiter durch das breite Tal. Rechts davon ragen felsige, gefurchte Berge auf. Gegenüber begleiten uns sanfte Hügel, die mit einem zartgrünen Flaum bedeckt sind. In der Ferne sieht man immer wieder grosse Rinder- oder Schafherden, die wie schwarze Stoppeln in der Landschaft stehen. Mir gefällt diese Frühlingslandschaft mit dem vielen Grün sehr. Da die Strasse schlecht ist, fahren wir langsam und ich habe ausgiebig Zeit die Gegend zu geniessen.

Nur Tobias muss konzentriert auf die Strasse schauen um die geeignete Fahrspur zwischen heftigen Bodenwellen, tiefen Längsrillen und den kratertiefen Schlaglöchern zu finden.
Spektakulär wird es wenn unser dicker Onkel Benz mit knapp 12 Tonnen die Bodenhaftung verliert um danach unsanft wieder auf allen Vieren zu landen, wenn die Federn durchschlagen und wir mit dem Kopf an die Decke sausen. Dann flucht er und findet, dass das Fahren so keinen Spass macht (komisch;). Und obwohl Tobias schon etwas Luft aus den Reifen abgelassen hat, fühlen sich die Strassen immer noch gleich schlecht an.
 
Wir kommen am Nachmittag im Hotel Bahodir in Samarkand an und werden mit Tee und Keksen begrüsst. Auch hier können wir auf dem Parkplatz davor im Auto schlafen und bekommen für 16 USD (2 Personen) die Registrierung, WiFi (meist eher schlecht), Frühstück und ein Zimmer zur WC- und Duschen-Benutzung. Ohne Frühstück wäre es einen Dollar weniger pro Person. Auch hier ist man in wenigen Minuten zu Fuss beim bekannten Registan und anderen Sehenswürdigkeiten.
 
Am späten Nachmittag besuchen wir das Mausoleum Gur Emir. Gemäss Reiseführer besonders schön im Abendlicht. Das Mausoleum ist sehr interessant und schön, kostet allerdings auch 22'000 Som Eintritt für ausländische Besucher.
 
 
Noch am Abend gehen wir beim Registan vorbei, als zufällig gerade die beeindruckende Sound and Light Show beginnt. Die Bässe fahren einem in die Knochen und der Mob tobt bei speziellen Effekten. Die Fassaden der schönen Gebäude werden so zur Leinwand, auf der verschiedene Bilder und Szenarien aus der Geschichte von Samarkand und der Seidenstrasse projiziert werden.
 
Heute ist Samstag und wir gehen einer breiten Fussgängerzone mit Grünstreifen bis zur Bibi Xanom Moschee und zum Siob Bazar entlang. Es sind sehr, sehr viele einheimische Besucher unterwegs.
 
Wir wollen die Bibi Xanom Moschee besuchen, aber der Eintrittspreis für ausländische Besucher hält uns davon ab (22'000 Som pro Person, Einheimische nur 1'000 Som, also für Touristen 22 Mal mehr).
 
Dafür besichtigen wir ausgiebig den Bazar und schauen dem interessanten bunten Treiben von Händlern und Besuchern zu. Fast jeder der Besucher hat auf dem Markt ein paar runde Brote gekauft, sieht fast so aus, als ob es diese nur hier gäbe.
Seit langem sehen wir wieder mal Bettler auf der Strasse und im Bazar, meist sind es Frauen mit kleinen Kindern oder körperlich behinderte Menschen. Im Iran haben wir an keinem Ort Bettler gesehen.
 
 
 
Heute ist Sonntag. Leider scheint heute keine Sonne und es ist feucht kalt. Dies hält aber die einheimischen Besucher nicht davon ab, durchs Grüne zu flanieren und den Bazar zu besuchen. Es scheinen sogar noch mehr Menschen zu sein als gestern. Man muss wie auf der Autobahn einfädeln, dass man weiter kommt. Die meisten sind in Gruppen unterwegs, Jugendliche, Frauengruppen Männergruppen und natürlich Familien.
Interessant ist, dass wir sehr oft fotografiert werden. Ein Foto mit ausländischen Touristen scheint sehr begehrt zu sein. Oft werden wir aber auch umgekehrt gefragt ob wir sie fotografieren wollen.

Im gleichen Restaurant wie gestern essen wir unser Mittagessen, eine Suppe und Manti (gefüllte Nudelteigtaschen). Dazu die fast schon obligatorische Kanne Grüntee.
 
Heute am dritten Tag besichtigen wir den Registan. Dies ist ein grosser Platz der an drei Seiten von drei faszinierenden Medresen (Islamische Schulen) umgeben ist. Die Gebäude waren schon mal zerfallen und wurden wieder aufgebaut. Heute gehören sie zum UNESCO-Kulturerbe.
Ursprünglich wurden die Medresen von ca. 1400 bis 1600 erbaut. Ihre Mauern und Türme sind sehr dick und stehen zum Teil etwas windschief in der Landschaft. Der Eintritt kostet hier sogar 30'000 Som.
 
Alle drei Medresen können auch von Innen besichtigt werden. Allerdings besteht das Innenleben meist nur aus Souvenirshops in welche die Besucher gelockt werden. Leider ist das Wetter trübe und deshalb leuchten die blauen reich verzierten Kacheln an den Bauwerken nicht so schön.
 
 
 









Mindestens so interessant wie die Bauwerke ist auch das Beobachten der vielen Besucher.
 
Am Nachmittag gehen wir in einen Ucell Shop, da unsere SIM-Karte nicht mehr funktioniert. Es stellt sich heraus, dass das Gesprächsguthaben ins Minus gerutscht ist und deshalb das Internet nicht mehr funktioniert. Ist zwar nicht ganz logisch, aber nach Laden von 5'000 Som funktioniert sie wieder.
 
In einem Eisenwarenladen suchen wir einen Metallwinkel, um unsere abgebrochenen Lautsprecher wieder zu befestigen. Der Händler hat aber nur flache oder viel zu kleine Winkel. Zudem sind sie alle etwas rostig. Eisenwaren eben.


Am nächsten Tag steigert sich das schlechte Wetter noch. Es hat nur noch etwa 5 Grad, regnet meistens heftig und ist zudem noch windig. Wir gehen zum GUM-Kaufhaus, sind aber vom dortigen Angebot wieder mal enttäuscht. Im Kaufhaus sind eigentlich wie auf einem Bazar einzelne Verkaufsstände angeordnet. Es gibt Smartphones, Kleider und gefälschte Uhren von Rolex, Rado, Tissot und Omega. Die Krokodile auf den T-Shirts sind wahrscheinlich auch nicht echt.
 
Auf dem Rückweg fahren wir mit dem Taxi nochmals zum Siob Bazar. Hier geht es heute wegen dem nassen Wetter etwas hektischer zu, alle sind schnell unterwegs und wollen nicht nass werden. Die Brote sind heute wahrscheinlich etwas saftiger...
Wir schauen auch, dass wir wieder zurückkommen und werfen seit langem wieder einmal die Heizung an.
 
Eigentlich wollten wir heute weiterfahren, aber das Wetter bleibt noch 1-2 Tage schlecht und so bleiben wir noch. Das Hotel hat sich gefüllt und alle Gäste versammeln sich an einem überdachten Tisch beim offenen Innenhof. Bei nur 5 Grad sind alle mit Mützen, dickem Schal oder Windjacken eingepackt und essen mit roten verschnupften Nasen das Frühstück. Beim Sprechen gibt es weisse Fahnen und der heisse Tee dampft umso mehr. Einige sind auch erkältet, so wie Tobias, der seinen bellenden Husten immer noch nicht los hat. Wir halten uns im geheizten Auto auf und gehen nur zum Mittagessen vor die Tür. Langweilig wird es uns trotzdem nicht. Wir surfen etwas im seeeehr langsamen Internet, lesen oder haben sonst etwas zu wursteln.

Sogar an der Promenade am Registan ist heute kaum jemand unterwegs...
 
Nach sechs Tagen verlassen wir den Platz vor dem Hotel Bahodir nach dem Frühstück. Beim Frühstück lernen wir noch die deutschen Rentner Heinz und Johannes kennen. Die beiden sind aktuell mit dem Rucksack in Usbekistan unterwegs und waren auch schon fast überall auf der Welt. Der Austausch von Reiseerlebnissen ist sehr interessant und wir vergessen fast das kalte Wetter.

Leicht unterkühlt und mit roten Nasen machen wir uns auf den Weg um einen anderen Stellplatz in der Stadt zu suchen. Auf einem Parkplatz in der Nähe des Siob Bazars werden wir fündig. Hier hat es noch genug Platz. Zwar ist hier auch die Endschlaufe der Strassenbahn, aber an das Gequietsche der alten Bahn wenn sie um die Kurve rumpelt kann man sich gewöhnen. Da wir immer noch nicht so richtig fit sind, verbringen wir den restlichen Tag im schön warm geheizten Auto.
 
Da das Wetter wieder etwas besser geworden ist, die Temperaturen wieder zweistellige Werte erreichen und sogar die Sonne scheint, besichtigen wir heute noch die Nekropole Shohizinda. Entlang einem Weg der einen Hügel hinauf geht, sind links und rechts Mausoleen angeordnet, welche im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurden.
Die meisten Gebäude sind wundervoll mit blauen Kacheln verziert. In der Anlage sind sehr viele Besucher unterwegs, Eintritt für Ausländer 12'000 Som.
Weil wir wieder etwas gesünder essen und auch wieder mal selbst kochen wollen, machen wir anschliessend einen Grosseinkauf im Siob Bazar. An verschiedenen Ständen kaufen wir Brot, Eier, getrocknete Aprikosen, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Kartoffeln, Chinakohl, quarkartigen Käse, ein Kilogramm frisches Hackfleisch, Honig und Halva. Im Gegensatz zum Iran, wo man nicht handeln musste und auch oft etwas geschenkt bekam, muss man hier schon aufpassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird, denn hier verlangt man oft Traumpreise.
 
Auf dem Rückweg zum Auto entdecken wir in einem Teppichgeschäft eine Overlock-Maschine mit der sie gerade einen Teppich kordeln. Kurzentschlossen kaufen wir einen neuen Teppich für unter den Tisch und lassen ihn gleich säumen. Der alte aus Abu Dhabi ist von sehr mieser Qualität und schon ziemlich zerschlissen.
Gleich drei Angestellte schauen sich den Platz unter dem Tisch an und bearbeiten danach unseren neuen Teppich passgenau. Kosten: 150'000 Som (ca. 16 EUR).

Da es schon später Nachmittag ist und Tobias sich immer noch nicht so fit fühlt, bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Parkplatz.
 
Heute verlassen wir die sehr schöne und interessante Stadt Samarkand wieder und fahren weiter nach Qarshi. Es ist relativ klar und im Osten kann man das Pamir-Gebirge mit den Schnee-bedeckten Gipfeln sehen. Die Strasse ab Samarkand ist für usbekische Verhältnisse recht gut und wir fahren öfters schneller als 70 km/h. Aber hat man gerade so richtig beschleunigt, folgt wieder ein Stück zwischendrin, wo man die Geschwindigkeit wieder auf unter 40 km/h absenken muss. Entlang der gesamten Strecke hat es immer wieder Ortschaften und Siedlungen. Viele Viehherden mit Hirten sind unterwegs. Hier arbeiten die Menschen ohne Maschinen auf den grossen Feldern. Wenn wir vorbeifahren stützen sie sich auf ihrer Hacke ab, machen grosse Augen und schauen uns mit herunter geklappter Kinnlade nach bis wir am Horizont verschwunden sind. Winken tut kaum jemand, wahrscheinlich sind wir zu exotisch.
 
Und plötzlich sind wir mitten in der Stadt Qarshi. Sie hat etwa 180'000 Einwohner und einen eher dörflichen Charakter. Entlang der Einfall-Strasse stehen endlose Reihen recht gut aussehender Neubauten, die aber anscheinend noch unbewohnt sind. Der erste Parkplatz den wir ansteuern gefällt uns gar nicht und deshalb fahren wir weiter, wieder aus der Stadt hinaus. Dabei entdecken wir einen ansprechenden Parkplatz neben einem Heiligtum. Rings um den Parkplatz sind niedrige bäuerliche Häuser mit kleinen Gärten, in denen Obstbäume, Blumen, Gemüse oder auch mal Schafe stehen, eben alles was man so braucht.
Bevor wir weiterfahren, besichtigen wir noch die gepflegte Anlage des Heiligtums, das sich als Mausoleum und Friedhof entpuppt.
 
Gemütlich fahren wir auf relativ guten Nebenstrassen nach Shahrisabz. Auch hier ist die Gegend durchwegs besiedelt und wir fahren immer wieder durch Dörfer.
 
In Shahrisabz hat es einen grossen Bazar und in einer knapp 2 km langen Parkanlage einige Bauten aus früheren Jahrhunderten. Vor dem Park finden wir einen grossen Parkplatz, wo wir übernachten können. Alles hier, der Park und auch der Parkplatz wurde vor kurzer Zeit komplett neu angelegt. Die Bäume im Park sind alle sehr jung und dünn und biegen sich bedenklich im Wind.
Das Stadtbild der neueren Stadtteile in Shahrisabz sieht zum Verwechseln ähnlich aus wie das Stadtbild gestern in Qarshi. Es ist wohl eine Einheits-Architektur im ganzen Land, die aber recht ansprechend aussieht.

Da wir Brot brauchen, machen wir uns in Richtung Bazar auf den Weg und planen die historische Anlage für morgen ein. Der Bazar ist eine bunte Mischung von allem was man halt so im täglichen Leben braucht.
Die Verkäufer und Verkäuferinnen beobachten uns Fremde interessiert und neugierig. Immer wieder werden wir gefragt, wo wir herkommen. Hier sieht alles noch ursprünglicher aus als in Buchara oder Samarkand. Unsortiert findet man den Metzger neben den Schrauben und diese neben der Unterwäsche und Brot gibt es auch. Und die Preise sind einiges günstiger als in Samarkand. Oder werden nur die Startpreise nicht so touristisch hoch angesetzt?
 
Da wir auf dem Parkplatz vor der Parkanlage übernachtet haben, ist es am Morgen nicht weit zum Eingang. Wir wundern uns schon über die mit Banner (vom 23. April 2018 kyrillisch irgendwas) geschmückten Busse die heute anfahren.
Auf dem Weg zum Park machen wir noch einen kleinen Umweg zu einem Abfall-Container, den wir gestern entdeckt hatten. Seit zwei Tagen haben wir Abfallsäcke im Fahrerhaus und wurden sie nicht los, da es einfach keine Abfallbehälter in den Ortschaften und entlang den Strassen gibt. Im Iran zum Beispiel hatte es am Strassenrand eigentlich über Abfall-Container. Aber trotzdem ist es in Usbekistan sehr sauber.


Im Park sind massenhaft Leute unterwegs und die Wege sind gesäumt mit Ständen auf denen viel Traditionelles zu bestaunen ist. Hier erfahren wir, dass heute der Tag der "Justitia/Gerechtigkeit" ist. Jeder darf sich und seine Gruppe heute hier präsentieren: Militär, Banken, Taekwon-Do Gruppen, Musikgruppen mit traditionellen Instrumenten und wichtige Persönlichkeiten schwingen Reden vor gut besuchten Rängen.
Wir sind so ziemlich die einzigen westlichen Touristen und oft wird extra für uns ein Ständchen gespielt oder eine Vorführung gezeigt und spontan bleiben Frauen stehen und beginnen zu tanzen und in die Hände zu klatschen.


Und wieder mal werden wir häufig fotografiert und ausgefragt. Vor lauter Remmidemmi verkommen die historischen Gebäude, Ruinen und berühmten Statuen heute zur Nebensache.







Heute ist es wieder heiss, die Sonne sticht und wir marschieren, nachdem der Trubel plötzlich vorbei ist, zügig zum Auto zurück.

Wir bleiben noch eine Nacht auf dem Parkplatz und fahren dann weiter ins Gebirge zum Tahtakaraca-Pass über den wir müssen um wieder nach Samarkand zu kommen.
 
Der Himmel ist leicht bewölkt mit hellblauen Flecken. Die Aussicht und die Berge sind beeindruckend und wir fahren ab von der Hauptstrasse.
Dort finden eine wir eine tolle hügelige Landschaft in der vereinzelte runde Felsen wie hingeworfene Hinkelsteine liegen. Hier gefällt es uns und wir wollen bleiben.
Leider zieht der Himmel zu und am nächsten Tag regnet es wie aus Kübeln. Laut Wetterapp soll es wieder schöner werden und wir harren aus.
Der Himmel reisst auf und die ersten Einheimischen lassen sich zum Picnic in der Nähe nieder. Anfangs ist alles friedlich, aber mit steigendem Alkoholkonsum steigt auch der Lärmpegel und die jugendliche Gruppe rückt uns immer mehr auf die Pelle. Sie laden uns zum Schaschlik ein, aber wir lehnen ab. Distanzlos und hartnäckig bedrängen sie uns, so dass wir uns entschliessen von diesem schönen Platz weg zu fahren.

Wir kommen aber nur ein paar Meter und Onkel Benz macht schlapp. Durch die steile bergauf Fahrt hat der Motor wieder einmal Luft aus dem langen noch gut ein Viertel gefüllten Tank gesaugt. Also aussteigen und pumpen, erst dann kann es weitergehen.
 
Am Strassenrand werden häufig rote wilde Tulpen oder Rhabarber angeboten, der wohl jetzt spriesst. Wir kommen zur Wasserquelle und füllen unsere Wassertanks, was diesmal schnell geht, weil die Quelle reichlich sprudelt und unsere Pumpe gut funktioniert.

Wir sind schon ein Stück tiefer und die Strasse ist von Häusern gesäumt: ein Dorf kommt nach dem anderen und wir haben Mühe von der Strasse zu kommen.
 
Werden dann aber doch fündig. Auf der rechten Strassenseite ist das Dorf und auf der linken sind nur Felder und Weiden. Wir fahren ein Stück in die Felder hinein und bleiben dann stehen. Gegen Abend ist dann ein Verkehr wie auf einer Hauptstrasse. Ständig laufen Bauern oder Hirten vorbei, die jetzt am Abend ihr Vieh von der Weide heim holen. Manchmal ist es nur eine Kuh am Strick, oder auch mal eine kleine Herden Kühe oder Schafe. Die Pferde bleiben nachts draussen. Am Morgen bei Tagesanbruch dann wieder das Ganze in umgekehrter Richtung und wir werden von muuuh und määäh geweckt.
Weil es sehr schön hier ist und das Wetter auch mit macht, beschliessen wir etwas weiter abseits auf einen Hügel zu fahren. An einem schönen Plätzchen waschen wir mal wieder die Wäsche, erledigen kleinere Reparaturarbeiten am Auto und holen seit langem wieder einmal die Campingstühle heraus.
Die Erdmännchen, die in der Nähe ihren Bau haben, beäugen uns immer wieder misstrauisch und die jungen Kuhhirten der umliegenden Weiden leisten uns Gesellschaft. Zwischendurch kommen Reiter auf Ross oder Esel vorbei. Wir sorgen hier für Abwechslung und die Leute bleiben gerne für ein Selfie und ein paar (russische) Worte. Immer wieder bekommen wir Einladungen zum Essen zu ihnen nach Hause, aber weil der Weg bis ins Dorf weit ist, lehnen wir jeweils ab. Auch hier sind wir abends umgeben von durchziehenden Kuhherden.
 
Nach Samarkand sind es noch knapp 30 km und wir erreichen die Stadt schnell. Wir quartieren uns wieder im Hotel Bahodir ein, da wir nach jetzt schon acht Tagen wild übernachten wieder eine Registrierung haben sollten.

Diesmal scheint die Sonne in Samarkand und es ist 20 Grad wärmer als beim letzten Mal. Da wir zentral wohnen, spazieren wir wieder durch die Stadt und bewundern jetzt die in der Sonne leuchtenden Attraktionen.
Es sind bei dem schönen und warmen Prachtwetter noch viel mehr Menschen unterwegs. Der Unterschied zu einer Woche zuvor ist gross, wir glauben plötzlich in einer anderen Jahreszeit gelandet zu sein! Wir geniessen noch einmal Samarkand und machen uns dann gespannt auf an die Grenze nach Tajikistan.
 
Wir wollen für eine Übernachtung auf direktem Weg nach Urgut fahren. Das ist aber keine so gute Idee, denn die Strasse, wenn man sie so nennen kann, ist sehr schlecht. Wir kommenn nur sehr langsam voran. Auf einem Feld abseits der Strasse übernachten wir nochmals.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zur Grenze, es sind nur noch wenige Kilometer.
 
In einem speziellen Kapitel haben wir unsere persönlichen Impressionen über Usbekistan zusammengefasst.

Unsere Reise geht weiter in Tajikistan.
 
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