Islamische Republik Iran - unterwegs auf der Weltreise 2017

Iran (1) : Nurduz - Jolfa - Tabriz - Bandar Anzali - Chalus - Nur-Tal - Semnan - Qom - Kashan - Abyaneh - Arak - Kermanshah
(07.10.-02.11.2017)

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Der Grenzwechsel bei Nurduz verläuft problemlos. Die Ausreise aus Armenien ist wieder einmal sehr undurchsichtig. Besonders nervend sind ein paar russische Soldaten, welche hier die Grenze bewachen helfen. Sie brüllen auf Russisch herum, wenn ein Reisender sich nicht korrekt verhält, z.B. in die verkehrte Richtung läuft. Aber schlussendlich bekommen wir den Ausreisestempel und sind erst mal im Niemandsland.

Am iranischen Zoll sind alle sehr freundlich, hilfsbereit und heissen uns im Iran willkommen. Der Grenzbeamte teilt ganz selbstverständlich seinen Granatapfel mit uns. Wir werden durch die einzelnen Stationen geführt und müssen öfter mal warten. Es taucht zwar ein Schlepper auf, der aber von uns nicht gebraucht wird und auch von den Beamten vertrieben wird. Nach ca. 2.5 Stunden sind wir durch.
 
Wir wechseln gleich an der Grenze unsere restlichen AMD und 200 EUR in iranische Rial und sind auf einen Schlag Millionär geworden, denn für 1 EUR gibt es 45'000 Rial. Wir fahren weiter nach Jolfa durch das landschaftlich sehr schöne Aras-Tal. Es hat rötlich bunte Bergformationen, die wir auf der sehr guten Strasse auch während der Fahrt bewundern können. Mit Fotografieren halten wir uns etwas zurück, denn hier an der Grenze stehen überall Burgen-artige Gebäude und Soldaten der iranischen Armee.
 
In Jolfa wollen wir eine SIM Karte kaufen. Gleich am Ortseingang hat es einen Bazar. Jolfa ist eine Zollfreizone und deshalb werden viele verschieden Waren günstiger verkauft. Uns fällt auf, dass viele Putzmittel und Kleider verkauft werden. Da wir keinen entsprechenden Shop für SIM Karten finden, fragen wir einen jungen Mann, wo es diese gibt. Weil er nicht so gut Englisch spricht, holt er seinen Englisch sprechenden Freund. Wir erfahren, dass es die SIM im Stadtzentrum gibt und wir werden gleich mit dem Auto dorthin gefahren. Zuvor bekommen wir noch eine Einladung zum Abendessen. Etwas verunsichert ob wir sie annehmen sollen, sagen wir dann doch zu. Der junge Hassan fährt mit uns ins Zentrum von einem Shop zum nächsten, aber alle haben schon geschlossen. Also geht es erst einmal ohne SIM zurück. Hassan und Farzad sind beide Ladenbesitzer und arbeiten noch bis 18 Uhr.
Wir fahren solange zum UNESCO Kulturerbe St. Stephanos Kloster um dieses zu besichtigen. Es ist ein armenisches Kloster und als ob wir davon in Armenien noch nicht genug gesehen hätten, besichtigen wir nun gleich wieder ein Kloster im Iran.
Aber es ist wirklich sehenswert und hier ist auch der Museumseintritt schon im Eintritt mit inbegriffen. Wir werden von vielen Iranern mit "welcome to Iran" begrüsst.
Kurz nach 18 Uhr fahren wir alle zum Gartenhaus von Hassan, das ca. 10 km ausserhalb auf einem Berg liegt. Es ist inzwischen dunkel und mit der Taschenlampe streifen wir durch den Garten und pflücken Auberginen, Tomaten und Paprika. Gemäss Farzad ist der Garten ein Hobby vieler Iraner, da andere Hobbies wie Alkohol trinken und Parties verboten sind. Der Grill wird angeheizt und bald liegen die Auberginen, Tomaten und auch Champignons in der heissen Glut. Nebenher finden interessante Gespräche statt. Kurz bevor das Essen fertig ist, kommen noch die Eltern und die Schwester von Hassan mit Mann und Kind vorbei. Sie wollen uns begrüssen und uns willkommen heissen.
Das Essen ist fertig und alle sitzen im Gartenhaus auf dem Teppich um ein Plastiktuch auf dem das Essen serviert wird. In einer Pfanne ist das Gemisch von angedünstetem Knoblauch, den geschälten Auberginen und Tomaten sowie auch Eier. Dazu gibt es Fladenbrot (Nan), mit dem man das Essen aus dem Topf "löffelt". Erlaubt und benutzt von allen Anwesenden wird aber auch der ganz normale Löffel. Zu trinken gibt es Doogh, ein Drink aus Joghurt und Wasser mit Salz und Pfefferminz Geschmack, ähnlich dem türkischen Ayran. Das Essen schmeckt vorzüglich. Die Familie verabschiedet sich wieder, wir trinken einen letzten Tee und bekommen noch zwei Wassermelonen geschenkt. Danach werden wir im Ort an einen Park geführt, wo wir sicher übernachten können. Denn das Couchsurfing Angebot haben wir dankend abgelehnt. Nach diesem ereignisreichen Tag sind wir todmüde und schlafen gleich ein.

Am Morgen machen wir schon das erste Mal Bekanntschaft mit der Zivilpolizei. Wir wollen gerade in die Stadt fahren, als die beiden Polizisten (sie haben sich ausgewiesen) anklopfen, unser Pässe kontrollieren und das Woher und Wohin wissen wollen. Alles okay, sie bedanken sich, entschuldigen sich und ziehen weiter. Wir auch.

Der SIM Karten Laden ist jetzt geöffnet und wir haben nach einem langen und komplizierten Vorgang (Tobias muss einen Fingerabdruck geben) nun eine 30-Tage Karte mit mageren 3 GB. Ich kaufe mir auf dem Rückweg zum Auto noch einen Schal, der mir hoffentlich nicht ständig vom Kopf rutscht. Da wir noch Brot brauchen, holen wir in einem kleinen Laden eine Packung rechteckiges dünnes Fladenbrot (hier gibt es nur dieses). Als wir bezahlen wollen, will der Inhaber auch nach mehrmaligem Anbieten kein Geld von uns annehmen. Wir danken und sind wieder perplex.
 
Die Fahrt nach Tabriz ist landschaftlich abwechslungsreich mit bunten Felsen. Die Strassen sind sehr gut und bis vor die Stadt ist relativ wenig Verkehr. Aber dafür ist dann in der Stadt wieder einiges los, die sonst so freundlichen und liebenswürdigen Iraner werden sobald sie ein Lenkrad in der Hand haben zum Monster. Da wird gerast, geschnitten, gedrängelt und keiner kennt Verkehrsregeln. Wir kommen ziemlich k.o. auf dem Campingplatz beim Mozafer Park an und verbringen dort eine ruhige Nacht.
 
Am Vormittag machen wir zuerst Kopien von unseren Pässen mit Visum. Noch während wir im Auto sind, kommt ein pensionierter Englischlehrer vorbei und möchte uns durch die Stadt führen. Es braucht einiges an Ausreden bis wir den hartnäckigen Guide wieder los sind. Als wir dann in die Stadt aufbrechen, steht er schon wieder da, aber wir können ihn wieder abwimmeln. Wir fahren mit dem Taxi zur Blauen Moschee und besichtigen diese.
Danach schlendern wir durch den Bazar. Dieser ist UNESCO Kulturerbe und der grösste überdachte Bazar im Iran. Auch unterwegs bekommen wir immer wieder zugerufen "welcome to Tabriz" oder "welcome to Iran". Viele bleiben stehen für einen kurzen Schwatz und ein Teppichhändler will uns zum Tee einladen, auch wenn wir keinen Teppich kaufen. Einzig ein in Instanbul lebender Iraner mit welchem wir in Kontakt kommen, kann überhaupt nicht verstehen, dass wir den Iran bereisen.
Das Gedränge im Bazar ist gross. Vorfahrt haben immer die vielen schwer beladenen Lastkarren, welche von Hand gezogen werden. Zudem fahren in den engen Gassen noch Motorräder mit überbreiter Ladung herum. Als uns der Hunger übermannt gehen wir, weil wir gerade nichts anderes finden, in ein Fastfood Restaurant und essen Pizza und den grössten Hamburger (im Iran Sandwich genannt) aller Zeiten. Auffällig ist im Bazar die recht traditionelle Bekleidung, Frauen meist ganz in schwarz. Es hat auch Stoffläden, die nur schwarzen Stoff in allen Varianten und Mustern verkaufen.
Im Gebiet des Bazars wollen wir noch die Freitags Moschee ansehen. Aber die baufällige Moschee wird gerade renoviert und ist hinter einer Blick-sicheren Absperrung kaum zu sehen.

Müde machen wir uns auf den Rückweg. Die Fahrt mit dem Taxi zurück kostet nur die Hälfte der Hinfahrt. Zurück im Auto machen wir erst einmal die Fenster dicht, denn für heute haben wir genug Kontakte gehabt.
 
Auf dem Weg zum Höhlendorf Kandovan machen wir unsere erste Erfahrung bei einer iranischen Tankstelle. Es geht viel einfacher zu als in Russland, wo man immer im Voraus bezahlen musste. Der Tankwart hat eine Karte, mit welcher er die Säule aktiviert. Der Liter Diesel ist mit 6000 Rial (0.13 EUR) sehr günstig. Wie überall wo der Diesel so billig ist, fliesst er auch auf dem Boden und mit geschmierten Schuhsohlen muss man aufpassen, dass man nicht ausrutscht.
 
In Kandovan angekommen, fahren wir nach Vorschrift dem Fluss entlang, da die andere Strasse mit einer Einbahn-Tafel bezeichnet ist. Der Weg am Fluss wird immer enger und zudem sind noch Autos nicht gerade platzsparend parkiert. Nachdem wir ein Hausdach verbogen haben und einen ersten richtigen Kratzer am Wohnaufbau haben, erreichen wir schliesslich den Parkplatz.
In Kandovan sind viele Häuser als Wohnhöhlen in die Felswände gehauen. Auf steilen Treppen erkunden wir das Dorf und kaufen ein Glas Honig sowie Gemüse und Obst. Beim Gemüsehändler werden wir interessiert von ein paar einheimischen Frauen beobachtet. Überall im Dorf werden die jetzt reifen Walnüsse von ihrer grünen Schale befreit und zum Trocknen auf dem Boden ausgebreitet. Viele Souvenirshops sind geschlossen, da wohl die Hauptsaison vorbei ist. Es werden auch Kanister verkauft, in welchen das gute Quellwasser abgefüllt und mit nach Hause genommen werden kann.
Zum Frühstück sucht Tobias ein frisches Brot im Dorf. Das ist aber gar nicht einfach. Schliesslich findet er einen Bäcker, der allerdings nur die sehr dünnen rechteckigen Fladen hat. Diese werden am Fliessband frisch gebacken. Der dünne Teig, etwa so wie Crepes, wird auf eine grosse Scheibe gelegt, welche sich einmal im Ofen dreht und schon kommt nach etwa 10 Sekunden das fertige Brot heraus.
 
Wir fahren wieder zurück nach Tabriz. Auf der Südumfahrung geht es sehr ruhig und entspannt zu. Um etwas Abwechslung zu haben, wollen wir in einem anderen Park, dem El Goli, übernachten. Im Park um den See herum spazieren viele Menschen und treiben auch Sport auf die iranisch zurückhaltende Weise. Auch die Iraner fotografieren sich sehr gerne und machen Selfies.

Eigentlich müssten wir wieder mal unsere Wäsche waschen, doch sind wir etwas verunsichert, da wir noch keine zum Trocknen aufgehängte Wäsche im Iran gesehen haben. Wir verschieben das auf den nächsten Tag.
Just in time als wir ins Bett gehen, ist es auf dem Parkplatz fertig mit der Ruhe. Zuerst geht laute Musik los, als ob die gesehen haben, dass wir jetzt im Bett sind. Danach kommt ein Auto welches quietschend Kreise dreht. Aus dem Auto steigen mehrere Jugendliche mit Gesichtsmasken aus, das Auto dreht weiter Kurven und die Jugendlichen spielen wohl Auto-Überfall. Als sie sich ausgetobt haben, packen sie grosse Bündel mit Decken aus dem Auto und verschwinden im Park um zu übernachten. Uns ist das zu unheimlich hier alleine mit diesen Typen auf dem Platz und so fahren wir zum unteren Parkplatz, der mehr beleuchtet ist und wo wir auch nicht alleine sind.
Am Morgen wollen wir weiterfahren und sind schon startbereit. Aber der Motor startet nicht, die Batterie liefert viel zu wenig Strom! An den Batterien hat es keinen Wackelkontakt, aber es geht immer noch nicht. Schnell tauchen viele sehr hilfsbereite Passanten auf die unser Problem lösen wollen. Sie sind am herum telefonieren. Da keiner Englisch kann, erscheint auch noch der Manager des Parks in Anzug und Krawatte und übersetzt alles. Wir sollen in eine Werkstatt fahren und alles überprüfen lassen. Er bietet auch weiterhin seine Hilfe bei Problemen an. Zuerst muss von einem PW die Batterie überbrückt werden. Da neben uns ein Auto geparkt hat und deshalb die Batterie nicht zugänglich ist, versuchen 8 Männer unsere 12 Tonnen nach hinten zu verschieben.
Da sie dabei so lachen müssen, ist es mit der Kraft nach 30 cm schnell aus. Ein anderer kommt auf die Idee, dass es einfacher sei den daneben geparkten PW zu verstellen. Mit "hau ruck" verschieben sie das Heck des Autos nebenan. Doch bevor die Kabel angeschlossen sind, kommt der Besitzer des verschobenen Autos und fährt weg. Aber die Überbrückung klappt und unser grosser 14-Liter Motor startet sofort. Wir werden in die Werkstatt eskortiert und dort wird schnell klar, dass eine der zwei Batterien kaputt ist und ersetzt werden muss. Sicher ist da etwas im Innern durch die vielen Erschütterungen gebrochen. Nach zwei Stunden haben wir eine neue Batterie und können weiter fahren. Der "ganze Spass" kostet nur 70 USD und auch die vielen Zuschauer haben dabei ihre Unterhaltung gehabt.
Nachtrag: wahrscheinlich war unser Fahrzeug verärgert, dass wir seinen Geburtstag vergessen haben und hat sich dann so bei uns bemerkbar gemacht. Genau vor einem Jahr war der Ausbau fertig und wir hatten das Fahrzeug bei Ormocar abgeholt...
 
Etwas verspätet aber froh dass nichts Schlimmeres ist, machen wir uns auf den Weg nach Ardabil. Aber auch das soll nicht sein. Die Autobahn-Ausfahrt nach Ardabil ist von der Polizei gesperrt und in der Ferne sieht man, dass auf der Strasse nach Ardabil schon viele Autos stehen und nicht weiter kommen. Wir wollen die nächste Ausfahrt nehmen, aber es gibt zu lange keine richtige Ausfahrt, so dass wir beschliessen weiter zu fahren und Ardabil auslassen.
Auf der Autobahn hat es kaum Verkehr. Wir wissen nicht warum, ist es der heutige Feiertag oder weil die Autobahn etwas kostet (170‘000 Rial, ca. 4 EUR für 190 km)? Entlang dieser Stecke hat es wunderschöne bunte Bergformationen in allen Rottönen. Unterwegs essen wir einen guten Kebab mit Reis im Restaurant.
Wieder einmal sind wir zu lange oder zu spät unterwegs. Auf der Strecke nach Khalkhal finden wir lange keinen passenden Übernachtungsplatz, da die Gegend total baumlos ist und wir uns nicht verstecken können. Als es schon dunkel wird, taucht hinter einer Kurve im Gebirge ein Restaurant mit grossem Parkplatz auf, wo wir stehen bleiben.
 
Die Landschaft in dieser Gegend ist sehr schön und gebirgig. Leider ist der Himmel etwas bedeckt und es ist dunstig.

Auf guter Strasse durch Berg und Tal mit vielen Tunnels erreichen wir die Kleinstadt Khalkhal. Im Zentrum stoppen wir um im Restaurant Kebab mit einer grossen Portion Reis, Joghurt und Getränken zu essen (das günstigste Essen bisher, für 2 Personen 2.5 EUR). Dafür haben wir beim Metzger für 500 g Hackfleisch vom Schaf mit 8 EUR wahrscheinlich zu viel bezahlt. Und auf der weiteren Strecke übers Gebirge zur Küste hat es in jedem Dorf unzählige Metzger am Strassenrand…

Die Fahrt übers Gebirge zum Kaspischen Meer hinunter bietet uns landschaftlich leider nicht viel, da alles im typischen dichten Nebel gehüllt ist und es dazu auch noch regnet. Zudem ist die Strasse den Berg hinunter in sehr schlechtem Zustand. Auch die hier häufigen Reisfelder sehen bei dem Wetter nicht sehr fotogen aus.
 
Wegen den grauen Wolken wird es heute noch früher dunkel als sonst. Wieder einmal sind wir zu lange unterwegs. Zwei Passanten wollen uns aus dem Zentrum weg schicken, denn der Campingplatz der Stadt sei ausserhalb des Ortes und dort sollen wir hinfahren. Auf einer weiteren Runde durch den Ort finden wir aber noch einen Park am Kaspischen Meer mit Parkplatz, wo wir übernachten können.
Auch in diesem Park hat es ein WC, viele Sitzbänke und Fitness-Geräte. Noch bis Mitternacht sind Familien mit Kindern im Park unterwegs. Der Strand selbst sieht nicht so einladend aus, er ist nicht sehr sauber und die Umgebung am Ufer ist nicht gerade schön anzusehen.
Am nächsten Tag gehen wir zum Fischmarkt. Es werden diverse Fisch-Arten, frisch oder geräuchert verkauft. Die Verkäufer putzen die Fische auch und zerlegen sie auf Wunsch in Filets oder Steaks. Auf dem Markt gibt es auch Gemüse und Obst in grosser Auswahl. Wir kaufen einen Fisch, Obst und Gemüse.
Auf dem Rückweg essen wir im Restaurant einen feinen Stör-Kebab mit Reis und Salat. Wir finden, dass der Stör für iranische Verhältnisse relativ teuer ist und dass es auch andere gute Fische gibt. Das Essen für zwei Personen kostet umgerechnet etwa 35 EUR. Normalerweise kosten ein Mittagessen für zwei Personen weniger als 10 EUR.
In der Stadt hat es viele kleine Läden, die alles Mögliche verkaufen von Kleider, Teppichen, Schuhen und auch Lebensmittel. Es hat auffällig viele Banken. Die Menschen sind nicht ganz so traditionell gekleidet wie in Tabriz. Frauen tragen meist ein farbiges Kopftuch und moderne Kleidung.
 
Wir fahren weiter der Küste entlang von Bandar Anzali nach Chalus (222 km). Die Strasse verläuft meist vom Meer entfernt, so dass es kaum zu sehen ist. Wir kommen viel langsamer voran, als wir gedacht haben. Ursache ist, dass dieser Küstenstreifen eigentlich eine einzige nicht endende Ortschaft ist. Auch hier sieht das Meeresufer nicht einladend aus. Es hat viele halbfertige Häuser, an welchen aber nicht mehr gebaut wird. Auffallend ist, dass es entlang der Strasse sehr viele Autowerkstätten hat, die auch gut beschäftigt sind. Immer wieder sind auch Ferien-Ressorts zu sehen, einige recht schön, die meisten sehen aber eher aus wie Ghettos.
In dieser Gegend machen viele Tehraner im Sommer Ferien. Dann muss hier einiges mehr los sein als jetzt im Oktober. Für nicht-Iraner ist das Strandleben hier zu kompliziert, da Männer und Frauen nur streng getrennt voneinander und überwacht von Sittenwächtern im Meer baden dürfen.

In Chalus wollen wir zuerst zum Parkplatz der Seilbahn um dort zu übernachten. Wir verzichten aber darauf, weil nur schon der Eintritt in die Anlage 100‘000 Rial kostet, was uns überrissen erscheint. So landen wir schliesslich bei einem nicht sehr schönen kleinen Park am Meer, den wir mit der iOverlander-App gefunden haben. Am Ufer des Kaspischen Meeres sind viele Angler. In der Nacht ist es nicht wirklich ruhig.

Am nächsten Morgen kommt auch ein Taxifahrer für eine Fitnesspause in den Park. Er fragt uns, ob wir hinten kein Kennzeichen haben. Wir schauen nach uns müssen feststellen, dass über Nacht jemand unser Kennzeichen wohl als Souvenir mitgenommen hat. Wir haben noch zwei Kennzeichen in Reserve und Tobias hat wieder mal eine Bastelstunde und schraubt die Kennzeichen vorne und hinten fest, so dass sie nicht so einfach aus der Halterung entfernt werden können.
Dann kommt die zweite Überraschung, das Antivirus Abonnement auf dem Smartphone ist storniert. Nach einem Chat mit dem Support stellt sich heraus, dass Iran auf der Embargo Liste steht. Da wir uns nicht mit VPN sondern mit einer iranischen IP-Adresse bemerkbar gemacht haben, mussten die Landsleute von Donald Trump unser Abo stornieren.

Da Chalus weiter nicht sehenswert ist, machen wir uns auf den Weg und tanken noch am Ortsausgang 200 Liter Diesel für etwa 25 EUR. Ein paar Liter sind landen allerdings nicht im Tank, sondern laufen über den Tank, weil die Zapfpistole nicht automatisch stoppt, was der Tankwart recht lustig findet.
 
Die Strasse von Chalus übers Gebirge nach Tehran ist eine der wenigen Hauptverbindungen zwischen der Küste des Kaspischen Meeres und dem Grossraum Tehran mit über 15 Millionen Einwohnern. Entsprechend gross ist das Verkehrsaufkommen auch jetzt in der Nebensaison. Die Strasse ist relativ schmal und kurvig und führt von Null auf über 2650 Metern übers Gebirge. Die Gewohnheit der iranischen Autofahrer immer das voran fahrende Auto möglichst in einer Kurve zu überholen und dabei noch zu schneiden, erhöht den Nervenkitzel und macht das Ganze noch spannender.
In Pole Zangole beim Abzweig ins Nur-Tal übernachten wir auf dem Parkplatz vor der Moschee. Hier ist viel los, auch die ganze Nacht hindurch. Viele gehen in die Moschee, einige benützen nur die Toiletten und den Wasserhahn, aber praktisch alle steigen für einen Moment aus dem Auto um etwas zu trinken und zu essen, bevor das Rennen auf der Passstrasse weiter geht.
 
Am nächsten Morgen nieselt es, alles ist nass und die Temperatur ist noch knapp über Null. Immerhin sind wir hier schon auf 2300 Metern. Nachdem wir an der Moschee unseren leeren Wassertank gefüllt haben, machen wir uns dennoch auf den Weg ins Nur-Tal. Als wir uns ca. 300 Höhenmeter durch den Nebel gequält haben, kommt die Sonne schliesslich durch.
Die Fahrt ins Nur-Tal führt über zwei andere Täler bzw. Gebirge und die Strasse windet sich beim ersten Pass auf 2800 Meter und beim zweiten sogar auf 3160 Meter hoch. Aber das auf einer beispielhaft guten Teerstrasse und kaum Verkehr.
Im Nur-Tal strahlt die Sonne und die Bäume im Tal, vor allem Pappeln, sind herbstlich gefärbt und machen das Tal zu einer Bilderbuch-Landschaft. An einigen Stellen ist sogar der höchste Berg Irans, der Damavand mit 5671 Metern ohne Wolkenschleier zu sehen.
 
Am späten Nachmittag erreichen wir den auf halbem Weg gelegenen Ort Baladeh. Wir machen einen kurzen Rundgang durch den Ort, kaufen dabei acht Eier und bekommen dazu ein paar Walnüsse geschenkt.

Neben den "normalen" Häusern stehen auch noch ein paar alte zerfallene mit dicken Steinmauern und einer ebenso dicken Erdschicht auf dem Dach. Es hat einige Moscheen, aber alle sind ziemlich renovationsbedürftig.
Auch hier in Baladeh sind die Menschen sehr freundlich, begrüssen uns und wollen uns helfen. Die Verständigung ist nicht einfach, in dieser touristisch nicht erschlossenen Region spricht kaum jemand Englisch. Wenn wir zum Beispiel unsere morgiges Ziel, die Stadt Semnan angeben, so rennen die freundlichen Menschen gleich herum und suchen uns eine Fahrgelegenheit. Dann liegt es wieder an uns zu erklären, dass wir mit dem eigenen Auto unterwegs sind.
Am Morgen, als wir durchs Dorf weiter fahren, winken uns die Menschen zu als ob wir alte Bekannte wären. Wir geniessen die Fahrt das Tal entlang bei strahlendem Sonnenschein. Da wir schon lange nicht mehr gewaschen haben und unser Wäschesack fast platzt, halten wir am Fluss und waschen. Da es kräftig windet ist die Wäsche nach zwei Stunden trocken und wir fahren weiter.
 
Wir kommen nach Polur, ein Gebirgsdorf von dem aus man den höchsten Berg Irans, den Damavand (5671 m) am besten sieht. Wir stellen uns in eine Nebenstrasse bei einem Bäcker. Wir wollen dem Bäcker nur sagen, dass wir hier im Auto schlafen und bis morgen stehen bleiben wollen. Gleich sind wir umringt von vielen Leuten, die alle kein Englisch sprechen und Missverständnisse entstehen. Aber zum Glück kennt einer einen, der einen kennt, der Englisch kann. Handys werden weitergereicht und es wird übersetzt. Schlussendlich fahren zwei voraus, die uns zeigen, wo wir übernachten können. Sie bringen uns zur "Mountaineering Federation". Von hier aus werden Touren zum Damavand organisiert und wir können hier im Hof bleiben. Wir bekommen Tee, Kekse und Datteln und schauen den Kletterern in der Kletterhalle beim Üben zu.
Wir fahren weiter Richtung Semnan durch schöne abwechslungsreiche Täler. Auch hier winken uns die Menschen begeistert zu oder schenken uns Äpfel, sobald wir stehen bleiben.
 
Kurz vor der Dunkelheit finden wir einen Parkplatz in der Nähe des Bazars und der Moscheen in Semnan. Wir gehen noch über den Bazar, der uns sofort sehr gut gefällt. Er ist kleiner und hat mehr orientalisches Flair, als der in Tabriz. Wir kaufen Gemüse und Fleisch. Auf dem Rückweg zum Auto kommen wir beim Konditor vorbei. Wir wollen zwei gezuckerte Donuts, die wir aber nicht bezahlen dürfen. Während wir uns noch unterhalten sammelt die Angestellte von jedem Gebäck zwei Teilchen in eine Tüte, die wir auch noch als Geschenk mitbekommen.
Am Freitagmorgen machen wir uns auf den Weg die Stadt zu besichtigen. Ganz in der Nähe ist ein altes, traditionelles Wohnhaus, das sehr schön renoviert wurde und einem einen guten Eindruck von der Lebensweise vermittelt.
Wir schlendern durch die Stadt bis zum Stadttor, dem sog. Wahrzeichen von Semnan. Unterwegs sehen wir viele traditionelle, aber verfallene Lehmhäuser.

Auf dem Rückweg gehen wir ein Stück durch den gestern noch belebten Bazar, der heute (iranisches Wochenende) ruhig und verlassen ist. Wir essen unterwegs eine überteuerte Suppe, weil auch die meisten Restaurants zu haben.
Wir gehen an der Moschee vorbei, dabei werde ich von zwei jungen Frauen angesprochen. Sie möchten uns gerne Semnan zeigen. Da wir schon viel gesehen haben, begleiten sie uns zur Moschee. Tobias geht wie gewohnt durch den Männereingang und ich werde von den Frauen mit Chador bekleidet weitergeführt. Schnell bin ich von ca. zehn Frauen jeden Alters umringt. Ein lebhaftes Gespräch kommt in Gang, ich bekomme die Moschee und den Islam erklärt und werde ausgefragt. Andere Frauen erzählen von sich, was sie so machen. Es wird viel gelacht, gekichert und ich muss mit jeder Frau und jedem Handy fotografiert werden. Die Einladung zum Essen lehne ich dankend ab. Beim Verabschieden fliegen mir Handküsse entgegen und mit den Händen werden Herzen gebildet. Ich bin gerührt.
Bald nachdem wir wieder im Auto sind, kommt die Polizei und ein Englisch sprechender Soldat. Die Pässe werden verlangt und das Woher und Wohin wird geklärt, alles sehr freundlich, dann entschuldigen sie sich für die Störung und gehen. Eine Weile später klopft es wieder und ein anderes Paar dieser Gattung kommt. Sie sagen die Nachbarschaft sei beunruhigt, weil sie nicht wissen wer wir sind und was wir hier machen, was das für ein Auto ist. Es ist uns schon aufgefallen, dass Semnan wohl nicht so oft von Touristen besucht wird. Also Wieder Pässe und so weiter. Da man hier keine Wohnmobile kennt, bitten wir sie herein und zeigen, was ein Camper ist. Sie staunen und sind sprachlos. Sie verabschieden sich auch mit einem mit den Händen gebildeten Herz.

Wir verbringen eine gute und ruhige Nacht. Wir sitzen noch beim Frühstück als es klopft und ein Teppichhändler uns seine Visitenkarte herein streckt. Wir sollen doch in ca. 1-2 Stunden zu ihm in der Shop kommen. Es hat sich jetzt wohl herumgesprochen, dass wir Touristen sind. Da wir keinen Teppich brauchen, machen wir uns reisefertig und fahren Richtung Qom.
 
Das ist eine weite Strecke und wir wollen eigentlich unterwegs einen Übernachtungsstopp einlegen. Wir machen Halt bei einer renovierten Karawanserei in der ein Restaurant ist. Das Tor ist offen und wir laufen durch den Hof. Plötzlich kommt ein Mann, streckt uns einen Taschenrechner hin und wir sollen ca. 5 CHF Eintritt bezahlen. Wir sind verärgert über diese Art von Abzocke (am Eingang stand nichts über Eintrittsgebühren) und wollen nicht mehr hier bleiben. Wir fahren weiter und kommen bald auf eine neue 3-spurige Autobahn, auf der wir fast alleine auf dem glatten Asphalt nach Qom gleiten (2x160'000 Rial Maut).
Es wird gerade dunkel und wir kurven eine Stunde im chaotischen Abendverkehr durch die Stadt, bis wir endlich einen Platz bei einem Park gefunden haben.
 
Am Morgen fahren wir mit dem Taxi ins Zentrum zum Heiligen Schrein. Qom ist die zweit heiligste Stadt im Iran und hat eine der wichtigsten religiösen Universitäten mit ca. 60'000 Studenten, die aus 120 Ländern kommen und 20 Jahre und mehr hier studieren um geistige Führer zu werden. Als Touristen bekommen wir eine Führerin (und ich einen Chador), die uns durch das Heiligtum führt und uns viel über diesen Ort, den Islam und die Geistlichen erklärt.
Danach gehen wir etwas essen und beobachten das Treiben auf der Strasse. Da hier die religiöse Kleiderordnung strikt eingehalten wird, wird Qom auch von den Iranern hinter vor gehaltener Hand "Chador City" genannt.

Wir kommen zum Bazar, der uns aber mit heruntergelassenen Rollladen empfängt, weil es gerade Mittagszeit ist und der Betrieb erst wieder ab 18 Uhr so richtig losgeht. Wir fahren mit dem Taxi zurück und kaufen im kleinen Supermarkt nebenan noch ein.
Abends kommt wieder einmal die Polizei vorbei, doch diesmal verabschieden sie sich schon wieder freundlich, nachdem wir nur "Tourist Suisse" gesagt haben. Inzwischen haben wir auf Farsi "Tourist Suisse" auf ein A4-Blatt geschrieben und kleben dieses Blatt am Stellplatz hinter die Windschutzscheibe.

Am nächsten Tag besichtigen wir auf der Weiterfahrt im Süden von Qom das Heiligtum Jamkaran. Auf dem Weg dorthin sehen wir auf einem Berg eine Moschee und darunter einen Parkplatz. Um die Aussicht auf die Stadt Qom zu sehen, fahren wir den sehr steilen Weg zum Parkplatz hoch. Oben ist aber die Aussicht auf die Stadt nicht so spektakulär, denn es fehlen irgendwie markante Punkte in der Stadt. Es ist nur ein Häusermeer.
Auf der Weiterfahrt zu Jamkaran stellt plötzlich der Motor ab und der Schwung an einer Steigung reicht gerade noch um an den Rand der Strasse zu fahren. Der Dieseltank hat nicht mehr viel Inhalt und weil er so lang ist, ist bei der steilen Strasse zum Aussichtspunkt alles nach hinten gelaufen und die Ansaugung vorne hat nur Luft angesaugt. Also Fahrerhaus kippen und die Dieselleitungen wieder mit der kleinen Handpumpe vollpumpen. Das funktioniert gut und schon springt der Motor wieder an.
Jamkaran ist eine grosse Moscheen-Anlage von etwa 500 mal 500 Meter. Heute ist nicht viel los, die riesen grossen Parkplätze sind leer und wir können direkt vor dem Eingang Nummer 6 parkieren. Ich bekomme auch hier einen Chador und wir können die Anlage besichtigen. Teile der Anlage sind noch im Bau bzw. noch nicht vollendet. Durch die enormen Abmessungen entsteht ein Eindruck von grosser Weite.
Nach der Besichtigung schauen wir uns noch das Shopping Center an, welches direkt gegenüber dem Eingang auf der anderen Strassenseite ist. Neben vielen Souvenirs werden dort auch hautenge Hosen für Frauen verkauft. Scheint wohl erlaubt zu sein, wenn darüber ein Chador getragen wird...

Für die Fahrt nach Kashan nehmen wir die normale Hauptstrasse (anstatt der Maut-pflichtigen Autobahn). Die Hauptstrasse ist zwar nicht Topf-eben, aber in guten Zustand und nur wenige Ortschaften werden durchfahren.
 
Eigentlich wollten wir beim Fin Garden übernachten, aber dort werden wir nicht gerade freundlich empfangen. Wir tanken Wasser von einem Wasserhahn an einem Toilettenblock, aber schon bald erscheint ein Angestellter der Stadt und teilt uns auf Farsi mit, dass wir hier kein Wasser tanken dürfen. Ein Englisch sprechender Busfahrer mischt sich hilfreich ein und übersetzt. Scheinbar ist das Wasser knapp und soll nur als Trinkwasser verwendet werden. Nach der Intervention des Busfahrers dürfen wir den Tank noch füllen. Dem Angestellten geben wir danach ein kleines Trinkgeld von 40'000 Rial und sein Gesicht wird sofort freundlich und strahlt wieder. Als der Busfahrer uns empfiehlt hier zu übernachten, erscheinen sofort ein paar junge Männer mit Quittungsblock und wollen einkassieren. Uns gefällt es hier nicht mehr und so fahren wir zurück in die Stadt zu einem Park, welchen wir auf der Durchfahrt schon gesehen haben und übernachten dort.

Zum Abendessen holen wir uns vom Imbiss gegenüber eine Pizza. Die sieht zwar schön aus, ist aber mit zu viel verschieden Wurstarten, die eher nach Corned Beef schmecken nicht gerade ein Leckerbissen.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Taxi ins Zentrum zum Bazar. Der Bazar ist gross. Er ist in langen überdachten Gängen mit Lüftungslöchern im Dach für die heisse Jahreszeit. Immer wieder hat es grosse Innenhöfe, die ebenfalls mit grossen Kuppeln bedeckt sind. Ein Touristenführer spricht uns an und führt uns auf das Dach des Bazars, wo wir die interessanten Kuppelbauten und Belüftungen von oben ansehen können.
Mit Windtürmen wird der Wind eingefangen und in die Gebäude und Räume weitergeleitet um in der heissen Jahreszeit für etwas Abkühlung zu sorgen.
Zum Mittagessen gehen wir in ein traditionelles Restaurant. In einem grossen gedeckten Innenhof hat es die traditionellen Bett-artige Gestelle mit Teppich, auf welchen man zum Essen sitzt, was für Ungeübte auf längere Zeit nicht gerade bequem ist.

Am Nachmittag sehen wir uns neben ein paar Moscheen auch verschieden renovierte traditionelle Bürgerhäuser an.
Die reichen Bürger haben sehr gut gelebt. Die Häuser haben eine Wohnfläche von etwa 5000 Quadratmeter, verteilt auf verschiedene verschachtelte Bauten, mit Sommer- und Winterzimmern welche jeweils um grosse Innenhöfe angeordnet sind. Die Häuser sehen eher aus wie Paläste und sind reich verziert. Der ganze Prunk befindet sich aber nur im Innern der Anlage, von Aussen ist nur eine sehr schlichte Lehm-braune Mauer zu sehen.
Im historischen Badehaus Sultan Mir Ahmad besichtigen wir die mit farbigen Keramikkacheln reich verzierten Kuppelhallen.

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Kashan. Tobias geht in eine Zahnklinik (33.992418, 51.435525) um einen abgebrochenen Zahn reparieren zu lassen. In der Klinik arbeiten fast nur Frauen, auch Zahnärztinnen sind in der Überzahl. Nach einer Röntgenaufnahme wird der Zahn sofort und sehr schön repariert. 45 Minuten dauert das Ganze und kostet nur 2'050'000 Rial (ca. 47 CHF).
Es ist schon Mittag und der Bazar wieder geschlossen. Wir beschliessen Essen zu gehen. Ich möchte Chicken, am liebsten ein knusprig gegrilltes. Ein Touristen Guide, dem wir schon öfters begegnet sind, steht plötzlich wieder vor uns und fragt uns, was wir vorhaben. Wir wollen essen und zwar Chicken.
Ungefragt führt er uns zu einem Imbiss-Restaurant, wo wir eine Art Chicken-Gyros essen. Als wir fast fertig sind, kommt ein asiatisches Touristenpaar ins Lokal mit einem ganzen gebratenen Huhn. Wir wundern uns, dass die so ein Huhn einfach in dieses Lokal mitbringen und hier essen. Nachdem wir einen überteuerten Preis bezahlt haben, wahrscheinlich war die Provision vom Guide mit inbegriffen, sehen wir beim Hinausgehen, dass vor dem Lokal saftige Hühnchen auf dem Grill brutzeln. Wegen diesem übereifrigen Guide haben wir diese beim Kommen gar nicht gesehen, was mich natürlich besonders ärgert.
An nächsten Morgen fahren wir weiter. Vor der Abfahrt kaufen wir noch ein Brot beim Bäcker um die Ecke (entdeckt mit Google Maps). Auf der Fahrt entdecken wir eine Werbetafel "LPG" und biegen dorthin ab. Unsere Gastankflasche wird immer leerer und sollte noch im Iran wieder aufgetankt werden. In Europa ist dies an vielen Auto-Tankstellen möglich. Nicht aber im Iran, denn dort wir LPG für Fahrzeuge nicht mehr verwendet. Diese fahren alle mit Erdgas (CNG). Meist werden an den LPG-Shops nur zerbeulte rostige Gasflaschen angeboten, doch unser Shop hier (Koordinaten 34.0056, 51.42235) ist ein Volltreffer, denn der Gasmann hat einen richtigen Druck-Befüllschlauch und mit einem unserer Adapter ist die Flasche schnell gefüllt (Preis ca. 0.05 EUR pro Liter).
 
Nachdem auch die Dieseltanks wieder voll sind (über 300 Liter für ca. 40 EUR), besuchen wir in Aran Bridgol den heiligen Schrein Mohammed Helal. Mohammed Helal, der Sohn der Tochter des Propheten Mohammed ist hier begraben und deshalb ist es ein wichtiger Ort für die Moslems. Die ganze Anlage ist sehr schön und mit vielen Kacheln verziert, meist in Blautönen.
Im Ort sehen wir für uns überraschenderweise einen Fischladen. Überraschend, weil wir schon fast in der Wüste sind. Wir kaufen einen schönen grossen Fisch und fahren nach Maranjab zum grossen Salzsee in der Wüste Kavir. Gleich nach Aran Bridgol ist ein Gate, an welchem wir pro Person 100'000 Rial Eintritt bezahlen. Wir bekommen eine schöne Karte, allerdings nur auf Farsi und einen Abfallsack. Die Piste nach Maranjab ist ziemlich schlecht, übelstes unregelmässiges Wellblech, das unsere Reisegeschwindigkeit ziemlich ausbremst. Die PWs und SUVs überholen uns auf dem Hinweg mit hoher Geschwindigkeit und winken uns zu, aber es fällt auch auf, dass viele Autos auf dem Rückweg abgeschleppt werden.
 
Wir finden (via iOverlander) einen schönen Stellplatz kurz vor Maranjab mit Sicht auf den Salzsee und die Karawanserei von Maranjab und können noch einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachten. Der Salzsee ist kaum zu erkennen, denn die Oberfläche ist nicht weiss wie wir es erwartet haben. Zudem ist die Luft von den vielen Autos staubig und dunstig. In der Nacht sehen wir in der Ferne wie an einer Perlenkette viele Lichter aneinandergereiht. Es sind die iranischen Wochenendausflügler, die dort zelten und Lagerfeuer anzünden.
Der nächste Tag ist für uns ein Ruhe- bzw. Arbeitstag. Da wir hier alleine sind und der trockene Wüstenwind weht, waschen wir wieder mal intensiv die Wäsche und putzen das Auto. Auf der nahen Piste ist viel Verkehr, aber seltsamerweise besuchen uns heute nur wenige Iraner. Aber diejenigen, die vorbeikommen und unsere Waschmaschine sehen, finden das sehr lustig und können gar nicht mehr aufhören zu kichern. Es ist ja auch ein wenig absurd zum Wäsche waschen in die Wüste zu fahren.

Am Abend fahren alle Iraner wieder nach Hause. Hunderte Autos und Motorräder bieten sich auf der sandigen Wellblechpiste ein gnadenloses Rennen. Vor lauter aufgewirbeltem Staub ist auf der Piste kaum noch etwas zu sehen. Zum Glück bläst der Wind den Staub nicht zu uns.
Am Morgen fahren wir relativ früh zu den Sanddünen los und wollen dort noch einen Tag bleiben. An den Dünen hat es zwar keine Wochenend-Touristen mehr, aber die Gegend sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. Der Abfall liegt noch herum und die Sanddünen sind mit vielen Reifenspuren von Autos und Motorrädern zerkratzt.
Wir fahren deshalb zum Salzsee, wo es uns aber auch nicht gefällt. Wir fahren weiter zu den Dünenbergen in der Nähe des Gates, wo wir dann weit abseits der Piste einen schönen Platz mit Aussicht über ein Tal finden.
Die Ruhe an diesem Platz wird aber bald gestört. Ein seltsamer Typ mit Fernglas kommt angefahren und steht auch bald ohne gross zu fragen in unserem Auto. Mit Google-Maps will er uns irgendwas zeigen oder fragen, findet es aber nicht. Nach einiger Zeit verschwindet er wieder. Ein paar Stunden später, es ist schon dunkel, taucht er wieder auf und begrüsst uns als ob er uns noch nie gesehen hat. Er hat einen Ausdruck von Google-Maps dabei und versucht uns etwas zu zeigen, was wir aber nicht verstehen. Das kommt uns etwas unheimlich vor, da wir weit ab von der Strasse sind und wir fragen uns ob er in der Nacht nochmals kommt? Als er weg ist, essen wir noch fertig und fahren weiter nach Aran Bidgol. In Aran Bridgol übernachten wir auf dem beleuchteten Parkplatz vor dem heiligen Schrein.
Dieser Teil der Wüste Kavir hat uns nicht so beeindruckt, vielleicht wegen dem Trubel oder auch weil wir schon schöne unberührte Wüsten z.B. in Libyen und Namibia gesehen haben. Aber hier sind wir eigentlich auch erst am Rande der Wüste, denn nach Osten erstreckt sie sich noch über weite 600 Kilometer.
 
Wir wollen heute in das altertümliche Bergdorf Abyaneh fahren. Aber zuvor müssen wir noch in Kashan Geld wechseln. Der einzigen Exchange den Tobias im Google Maps findet ist im Bazarviertel.
Nachdem wir uns durch die engen verkehrsreichen Gassen gezwängt haben, kommen wir an und entdecken auch eine Parklücke. Tobias fährt, begleitet von einem Krrrrrrrrrrrrrrrk in die Lücke. Beim Blick nach hinten sehen wir, dass beim PW am Strassenrand der Kotflügel beschädigt ist und das rechte Licht traurig an einem Kabel heraus hängt. Tobias geht zur Unfallstelle. Ausgerechnet in dem Moment taucht auch noch ein Verkehrspolizist auf und teilt mir mit, dass wir im Halteverbot stehen. Die ganze Strassenseite ist zugeparkt und alle stehen im Halteverbot. Ich zeige nach hinten und mache eine besorgte Mine worauf er immer wieder "no Problem" sagt. Um das beschädigte Auto hat sich inzwischen eine Traube Menschen versammelt, die eifrig den Schaden begutachten und mit Insurance Papieren wedeln und rechnen.
Wir befürchten schon das Schlimmste, dass wir nach einer Versicherung gefragt werden, die wir nicht haben und die sowieso nichts genutzt hätte. Der rechte Kotflügel ist kaputt, das Licht herausgefallen und die Stossstange hat einen Sprung. Wir machen einen geknickten Eindruck und rechnen mit einem hohen Betrag. Inzwischen haben alle Mitleid mit uns und wollen behilflich sein. Der Geschädigte verlangt dann 100 USD von uns. Tobias holt das Geld aus dem Auto und ich werde schon mal in seinen Laden gebeten. Als Tobias dazu kommt, gibt es Brothäppchen mit Käse und Tomaten und wir bekommen noch einmal 500'000 Rial (ca. 11 CHF) zurück.
So sind wir mit knapp 90 CHF noch einmal sehr glimpflich davon gekommen.
 
Wir wechseln also noch Euros und fahren danach vorbei an der sehr umstrittenen Atomanlage und weiter in die Berge. Der erste Halt ist beim Hanjan Castle, einer Lehmziegel Ruine auf einem Hügel, wo wir picnicen.



In Abyaneh angekommen, machen wir eine Besichtigungstour in der Abendsonne durch den Ort, der sich mit seinen einheitlich roten Lehmhäusern an den Berghang schmiegt. Die touristische Hauptgasse ist sehr schön renoviert, daneben sieht es meist eher etwas zerfallen aus. Wir übernachten auf dem Dorfparkplatz.
 
 
Da es keine (befahrbare) direkte Verbindung nach Westen gibt, müssen wir wieder zurück über Kashan in Richtung Delijan fahren. Ein Taxifahrer rät zwar davon ab, wegen schlechter schmaler Strasse und vielen LKWs. Aber die Strasse ist relativ gut und es hat kaum Verkehr, also auch kaum LKWs. Der Taxifahrer ist wohl schon länger nicht mehr hier durch gefahren...
 
In Naraq kurz vor Delijan gibt es die Höhle Chal Nakhijr die wir besichtigen wollen. Ausser uns sind noch vier junge Tehraner da, die auch mit auf die Besichtigungstour kommen. Einer spricht gut Englisch und übersetzt freundlicherweise die ganze Führung für uns. Schon während der Führung werden wir von den Tehranern ausgefragt und hinterher zum Tee eingeladen. Sie möchten gerne, dass wir auch zum Essen bleiben. Wir zögern, weil es schon spät ist, sagen dann aber doch zu, weil es humorvolle und interessante Typen sind.
Ruckzuck wird die Picnicdecke, der Grill und die Esskörbe ausgeladen (aus einem mit vier Personen besetzen Kleinwagen!) und das Hähnchen Kebab vorbereitet und gegrillt. Grillen ist auch im Iran Männersache, Frauen kochen die traditionellen Topfgerichte. Es gibt das typische rechteckige Fladenbrot, einen Spiess mit Hähnchenbeinen und Flügeln, scharfe Pickles und zu trinken Googh. Nach dem Essen werden sozusagen als Dessert verschiedene frische Kräuter in ein Fladenbrot gewickelt und gegessen.

Als Besteck gibt es im Iran meist nur einen Löffel, evtl. noch eine Gabel, aber kein Messer. Der Löffel hat so scharfe Kanten (autsch), dass man damit auch das meist sehr weiche Fleisch zerteilen kann. Geschickte Iraner können sogar einen Hähnchenflügel mit dem Löffel essen!
Während dem Essen erfahren wir, dass die vier Freunde Soldaten sind, frei haben und einen gemeinsamen Ausflug in die Wüste machen. Jeder Iraner muss für zwei Jahre Militärdienst leisten, danach kann er entscheiden ob er Berufssoldat werden will. Es werden viele Fragen hin und her beantwortet, wir lachen viel und geniessen das Beisammensein.

Es ist bereits dunkel und wir machen uns auf den Weg ins nahe Delijan zur Nachtplatzsuche. Es ist ziemlich schwierig bei Dunkelheit einen Platz zu finden und wieder einmal schwören wir uns, nicht mehr bei Nacht zu fahren bzw. anzukommen. Etwas ausserhalb bei einer Moschee mit Park bleiben wir, weil hier auch schon viele andere Trucks sind. Wir stehen mitten auf einem einseitig abgesperrten Kreisel. In einer endlosen Schlange fahren die Trucks die ganze Nacht vorbei, es ist etwas laut, aber für diese Nacht ok.
 
Zwischen Delijan und Arak ist die Strasse mit sehr wenig Verkehr gut. Bei Delijan hat es viele Steinbrüche und es werden grosse Brocken transportiert und zu Platten geschnitten. Der weisse Stein ist etwas marmoriert und sieht aus wie Marmor.
 
Es ist früher Nachmittag als wir in Arak an einem Park ankommen. Hier in dieser Provinzhauptstadt möchten wir unser Visum verlängern lassen. Man hört immer wieder, das Visum könne in jeder grösseren Stadt einfach verlängert werden: erster Anlauf. Wir beschliessen schon mal die Visumstelle zu suchen, damit wir das nicht am Morgen machen müssen. Beim Polizeiposten am Eck fragen wir nach. Es herrscht erst einmal grosse Ratlosigkeit, aber alle bemühen ihre Handys und diskutieren. Wir bekommen eine Adresse und machen uns auf den Weg. Wir kommen durch den sehr schönen Bazar, laufen aber zügig durch, da wir zuerst die Adresse finden möchten. Als wir an dem Punkt ankommen den sie uns im Stadtplan angegeben haben, finden wir hier nur ein Parkhaus. Wir umrunden das Gebäude, entdecken aber kein Amt.
Wir fragen in einer Bank, weil hier meist jemand Englisch spricht. Wir bekommen den Ort erklärt und machen uns hoffnungsvoll auf den Weg, leider ohne Erfolg. Wieder fragen wir in einer Bank. Diesmal erhalten wir schriftlich eine genauere Wegbeschreibung und gehen wieder in die andere Richtung. Wir kommen unserem Ziel näher, müssen aber erneut fragen und finden schlussendlich den gesuchten Posten. Wir sind ca. zwei Stunden unterwegs und es wird schon dunkel.

Die Iraner sind zwar hilfsbereit und jeder fragt "can I help you?", aber sie würden aus lauter Höflichkeit nicht zugeben, dass sie nicht wissen wo es ist, lieber schicken sie einen in die "Wüste".
Da wir jetzt angekommen sind (34.08672, 49.68372), fragen wir gleich ob wir hier richtig sind. Im Prinzip ja, aber da unser Visum noch 5 Tage gültig ist, will man es hier noch nicht verlängern. Wir sollen in die nächste Provinzhauptstadt Kermanshah fahren. Die Beamten sind sehr freundlich, versorgen uns mit Tee und bringen uns dann auch noch mit dem Auto zu unserem Stellplatz zurück. Sie sprechen dann mit dem Polizeiposten am Eck und es wird beschlossen, dass wir vor den Posten zur besonderen Beobachtung und Sicherheit fahren sollen. Die Polizisten und Soldaten (mit Maschinengewehr) freuen sich über diese besondere Aufgabe. Wir werden in die Polizeistube zum Tee eingeladen und unterhalten uns per Google Translator, da keiner Englisch spricht, ausser "I love you".
Wir schlafen gut und kaufen am Morgen noch Hackfleisch vom Schaf, Gemüse und Obst in der Umgebung ein. Wir bedanken uns nochmal bei der Polizeistation für die sichere Bewachung und fahren nach Kermanshah.
 
Man hört immer wieder, das Visum könne in jeder grösseren Stadt einfach verlängert werden: zweiter Anlauf. In Kermanshah haben wir zum Glück einen GPS Punkt für die Visumstelle (34.325732, 47.08017) und fahren gleich dort hin. Wir fragen ob wir hier richtig sind. Unsere Pässe werden entgegengenommen und kontrolliert. Auch hier will man unser Visum nicht verlängern, weil es (jetzt) noch 4 Tage gültig ist, wir sollen nach Khorramabad oder am Samstag wieder hierher kommen. Zuerst überlegen wir ob wir am Freitag weiterfahren, entschliessen uns dann aber hier zu bleiben. Ein netter Iraner zeigt uns einen bewachten und kostenpflichtigen Parkplatz gleich neben dem Bazar. Die Einfahrt ist wegen einem darüber hängenden Stromkabel etwas zu niedrig, aber mit vereinten Kräften wird es angehoben und wir können einfahren. Grosse Begeisterung beim Platzchef, wir müssen nichts bezahlen, müssen aber wie so oft für Selfies in ein Smartphone lächeln.
Am Morgen geht es auf den Bazar. Schon am Anfang bekommen wir die für hier legendären Kekse angeboten. Sie werden frisch den ganzen Tag über gebacken, sind luftig-locker und zergehen auf der Zunge. Damit wird einem der Mund wässrig gemacht, so dass man welche kauft. Wir probieren verschiedene Sorten aus und kaufen, kaufen, kaufen...
Wir schlendern über den Bazar, der geprägt ist von Shops mit bunten, glitzernden Stoffen und den typischen Schuhen der Kurden. Ich kaufe ein paar kleine Stücke Stoff und den zweiten Stoff den ich aussuche bekomme ich geschenkt.
Als die Läden auf dem Markt schliessen, besichtigen wir eine Mosche,e die auf dem Weg zum Tekiyeh Maoven ol-Molk. Das ist ein Haus mit reicht dekorierten Fliesenbilder in dem Passionsspiele stattfinden. Hunger haben wir keinen mehr, denn an jedem Keksshop an dem wir vorbeikommen, werden uns wieder Kekse zum Probieren geschenkt.
Weil der Freitag grau und regnerisch ist (ein paar staubige Tropfen zwar nur), verbringen wir den Tag mit Entspannen und Rumwursteln im Auto. Auch diese Seite hier unserer Homepage haben wir wieder mal aktualisiert mit den Erlebnissen bis und mit heute.

Und noch eine Premiere: Tobias backt das erste Dinkel-Vollkornbrot auf unserer Weltreise, als willkommene Abwechslung zu den Fladenbroten.
Am nächsten Morgen verlassen wir den Parkplatz. Wir meinten eigentlich, dass wir hier gratis stehen dürften. Vom Platzwart kam das so rüber und jede Menge Selfies hat er gemacht, auch in unserem Auto. Jetzt verlangt er 50'000 Rial pro Tag, was aber ein normaler angemessener Betrag ist.
 
Man hört immer wieder, das Visum könne in jeder grösseren Stadt einfach verlängert werden: dritter Anlauf. Wir fahren also los, um unser Visum zu verlängern. In der Stadt ist ein Chaos. Polizisten haben viele Kreuzungen abgeriegelt, weil irgendwo in der Stadt ein Umzug stattfindet, deshalb müssen wir Umwege fahren. Direkt vor dem Büro ist sogar ein Parkplatz frei, doch wir werden wieder weggeschickt, hier sei Halteverbot. Wir fahren wieder weg, alle anderen geparkten Autos dürfen im Verbot stehen bleiben.
Die Visa-Verlängerung ist dann schon fast filmreif. Im Büro (34.325732, 47.08017) werden wir vom gleichen Englisch sprechenden Soldaten freundlich begrüsst und zum Polizeibeamten im oberen Stockwerk geführt. Der sieht ziemlich unmotiviert aus, auf seinem Gesicht steht "die schon wieder" das bedeutet nämlich Arbeit! Er kontrolliert unsere Pässe und meint schliesslich, das Visum sei ja noch zwei Tage gültig. Wir könnten es in der nächsten Stadt erneuern lassen. Da platzt mir dann schon fast der Kragen und wir diskutieren mit erhobener Stimme, soweit das sprachlich überhaupt geht. Schliesslich ist der Bann gebrochen und das Visum wird verlängert, bzw. der Prozess der Verlängerung setzt sich in Gang. Die benötigten Unterlagen haben wir dabei: eine Kopie des Passes mit dem bisherigen Visum, drei Passfotos und wir sind vorbereitet auf mögliche Fragen zu unserer Reiseroute. Aber an dieser Stelle hier werden zwei Kopien des Visums verlangt. Der Soldat lässt diese Kopie freundlicherweise gleich im Büro erstellen. Als erstes müssen wir zur Melli Bank und pro Person 345'000 Rial einzahlen. Auf der Strasse fragt uns ein junger Iraner, ob er uns helfen kann und wir fragen nach der Bank. Er begleitet uns zu Bank, oder besser gesagt er fragt unterwegs weitere Leute, wo es zu Bank geht (er hat nämlich auch nicht gewusst wo sie ist). Schliesslich sind wir in der Bank und müssen eine Weile warten bis wir dran sind. Der Beamte spricht nur Farsi und gibt uns pro Person (wichtig!) ein Formular auch nur auf Farsi, welches wir ausfüllen sollen. Eine sehr freundliche Kundin, sie ist Anwältin, hilft uns beim Ausfüllen und wir können den Betrag bezahlen. Zurück im Visabüro meinen wir schon alles zu haben. Aber der Soldat winkt mit einer orangen Akten-Mappe. Wir sollen zwei solche Mappen kaufen gehen und er zeigt auf die andere Strassenseite. Gegenüber finden wir keinen Laden, der solche Mappen hat, auch nicht mit Hilfe freundlicher Iraner. Schliesslich kommt einer mit und wir finden etwas entfernt einen Laden, der zwar nicht orange, aber noch zwei pinkfarbene Mappen hat. Er schenkt uns sogar die zwei Mappen. Zurück im Visabüro ist der Soldat entsetzt, pinkfarbene statt orange Mappen! Das geht gar nicht!!! Kurzerhand eilt er aus dem Gebäude hinaus und kommt mit zwei orangen Mappen zurück. Die pinkfarbenen behält er, wahrscheinlich hat er eine Tochter die diese gebrauchen kann. Wir sind wieder beim Polizisten, der jetzt etwas mehr Begeisterung zeigt. In mühsamer Kleinarbeit füllt er die zwei orangen Mappen mit unseren Unterlagen. Die drei Passfotos werden an verschiedenen Stellen angeheftet. Ebenso die Formulare. Das Visa-Antragsformular füllt er sogar für uns aus und wir müssen nur noch unterschreiben. Gemäss dem 4-Augenprinzip geht es nun zu seinem Chef. Der muss mit strenger Mine alles nochmals prüfen, visieren und abstempeln. Mit dem Polizisten gehen wir zurück in sein Büro. Nun klebt er einen Kleber in unsere Pässe und nach einer Weile wird auch noch ein Stempel gemacht und das verlängerte Datum eingetragen. Strahlend erklärt der Polizist nun, dass wir weitere 30 Tage im Iran bleiben dürfen. So einfach geht das Verlängern des Visums also!
 
In einem kleinen Supermarkt wollen wir Milch kaufen, aber wir entdecken dort richtiges alkoholfreies Bier (Bavaria und Baltika) ohne süsses Aroma und schlagen zu. Auch eine richtige gute Aufschnittwurst finden wir hier, mit Fleisch (kein Schwein natürlich), Pilzen und Karotten. Danach machen wir uns auf den Weg aus der Stadt Kermanshah.
 
Weiter geht die Reise mit verlängertem gültigem Visum durch den Iran von Kermanshah via Isfahan und Shiraz nach Bandar Abbas an den Persischen Golf.

In einem speziellen Kapitel haben wir unsere persönlichen Impressionen über den Iran zusammengefasst.
 
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